„Menschen in Altenheimen vereinsamen und werden depressiv.“ – Eine Stellungnahme

„Menschen in Altenheimen vereinsamen und werden depressiv.“ –

Äußerungen, die wir fast täglich in den Medien hören und lesen.

Äußerungen, die uns wütend machen.

Äußerungen, die für die Bewohner_innen unseres Seniorenhauses St. Anna in Arnsberg nicht zutreffen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie gestalten die Mitarbeiter_innen des Sozialen Dienstes ein abwechslungsreiches Programm. Video-Botschaften der Angehörigen wurden am Muttertag letzten Jahres über ein „Qwiek-Gerät“ den Bewohner_innen gezeigt. Vor Weihnachten fand für die Bewohner_innen ein Fotoshooting statt, und die Angehörigen freuten sich anschließend über ein eingerahmtes Bild ihrer Mutter oder ihres Vaters. Chöre schicken Grüße und Menschen aus der Stadt überraschen die Bewohner_innen zu Weihnachten und zu Ostern mit reichhaltig gefüllten Geschenktüten. Kindergärten und Schulen schreiben Briefe.

Angehörige kommen täglich zu Besuch unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienevorschriften und nutzen gutes Wetter für Spaziergänge.

Regelmäßig findet alle 14 Tage in jedem Wohnbereich eine Wortgottesfeier statt, dazwischen in der Woche wird der Gottesdienst über kirchenstream.de aus der St. Anna-Kapelle in die Wohnbereiche übertragen. Natürlich finden zwischendurch weitere spirituelle Angebote statt, immer dem Kirchenjahr entsprechend. Im letzten Jahr zelebrierten die Pastöre des Pastoralen Raumes bei gutem Wetter die Heiligen Messen im Garten. Dank der finanziellen Unterstützung des Erzbistums Paderborn war es uns möglich, durch das Projekt „Mit Maria auf dem Weg“ die Advents- und Weihnachtszeit für die Bewohner_innen besonders zu gestalten.

Zwei Seelsorgliche Begleiterinnen gestalten nicht nur die Wortgottesfeiern – sie haben die Zeit, die Sorgen und Nöte der Bewohner_innen und deren Angehörigen in Gesprächen aufzunehmen und ihnen zuzuhören. Sie begleiten Sterbende und deren Angehörige. In Würde durften und dürfen Angehörige vom Verstorbenen Abschied nehmen.

Beatrix Fuchs, Einrichtungsleitung: „Unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygieneregeln, mit Umsicht und Vorsicht ist es uns bis jetzt gelungen, dass bis zum heutigen Tag kein_e Bewohner_in an Covid 19 gestorben ist. Das bedarf einer gut funktionierenden Zusammenarbeit und eines aufeinander Achtens aller Arbeitsbereiche. Besonders wichtig war und ist uns immer, die Kontakte zu Angehörigen ständig zu halten. Das war nicht immer Face to Face möglich, aber eben über das Telefon. So konnten Ängste und Sorgen der Angehörigen im persönlichen Gespräch genommen werden, die durch die negativen Medienberichte geschürt worden sind. Positive Rückmeldungen der Angehörigen bestätigen unsere Vorgehensweise.“

Dagmar Freimuth, langjährige Mitarbeiterin im Seniorenhaus St. Anna, jetzt im Ruhestand und weiter als seelsorgliche Begleitung in der Einrichtung tätig: „Ich weiß aus der langen Zeit meiner Tätigkeit im Caritas-Verband Arnsberg, wie wichtig es dem Träger ist, dass sich die Menschen in unseren Einrichtungen aufgehoben fühlen. Ich sehe, wie bemüht die Mitarbeiter_innen sind, den Bewohner_innen diese schwierige Zeit so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, oft über ihre normale Arbeitszeit hinaus. So übernehmen sie zusätzliche Aufgaben, wie das Testen von Kollege_innen und Angehörigen.

Die Bewohner_innen in unserer Einrichtung demonstrieren nicht gegen diese Einschränkungen, jammern nicht nach Urlaub, sind nicht unzufrieden, sondern signalisieren Dankbarkeit für jegliche Hilfe und Unterstützung.

Natürlich würden sie sich freuen, wenn das hauseigene Café wieder zu Kaffee und Kuchen geöffnet würde, wenn endlich wieder Chöre und Vereine ins Haus kommen dürften und wir gemeinsam, Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende, ein Fest feiern dürften.“

Caritas = Nächstenliebe. Wir leben es – auch in einer schwierigen Zeit!

Beatrix Fuchs leitet das Seniorenhaus St. Anna in Arnsberg.

Dagmar Freimuth ist dort als Seelsorgliche Begleiterin tätig.

Träger der Einrichtung ist der Caritasverband Arnsberg-Sundern e.V. Beide Autorinnen sind aktiv in der verbandsinternen AG Seelsorge.

Bild/Quelle: Caritasverband Arnsberg-Sundern e.V.

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