Hört mich jeder!

Eigentlich ist es einfach. „Klicken Sie hier, um an der Besprechung teilzunehmen“, heißt es mittlerweile in fast jeder dritten E-Mail. Und tatsächlich landet man dann (eigentlich) unkompliziert und sehr flott in einem virtuellen Konferenzraum und sieht …. in ratlose Gesichter. 

Gestern hatte ich aus Versehen auf einen alten Einladungslink geklickt. Ich war deshalb auf einmal in einer Videokonferenz eines anderen Verbandes und blickte in 2 sehr verwunderte Augen eines vortragenden Videokonferenzteilnehmers. Ich war doch tatsächlich selber aber auch so erschrocken, dass ich so flott auf die Escape – Taste drückte, dass ich noch nicht einmal „Tschuldigung, ich habe mich verklickt“ rufen konnte…..

Eine große digitale Herausforderung ist tatsächlich ja auch, dass es mittlerweile so viele verschiedene Videokonferenzplattformen gibt (und jeder findet seine am besten). Alle haben unterschiedliche Funktionen, verschiedene Betretungsregeln und Möglichkeiten der aktiven oder passiven Teilnahme u.v.m. Mein Desktop beherbergt mittlerweile acht! verschiedene „Konferenz-Kacheln“, und es können -befürchte ich- noch weitere in den nächsten Wochen dazu kommen.

Die Unterschiedlichkeit – abseits der Grundregel, immer ein interessiertes und freundliches Gesicht zu machen – ist doch manchmal verwirrend. Die Konferenzdurchführung, wenn man denn dann die richtige angeklickt hat, sind indes aber dieselben. Wie ernstgenommen fühlt man sich als Redner, wenn der Bildschirm immer wieder schwarz ist, weil der Gesprächspartner mal wieder „out of order“ ist. Oder es gibt ein Déjà-vu an die gute alte „Raupen-Kirmes-Zeit“. Weil das schwindelige Gefühl aufkommt, wenn der Gesprächspartner mit dem Laptop auf dem Arm durch das ganze Haus rennt und ständig irgendwelche Pirouetten wie ein Kirmeskarussell dreht. 

Oder, kennt Ihr das nicht auch, man redet aber niemand hört zu, weil man stumm geschaltet ist und wieder vergessen hat sich selbst „scharf zu schalten“. Und jeder hört doch mehrmals in einer Schalte den Satz „HÖRT mich jeder?“ 

Andererseits ploppt auch immer wieder mal der Hinweis auf, „kein Zutritt zum Konferenzraum“, weil man das Passwort, die zugehörige ID oder Schlimmstenfalls sogar seine momentane virtuelle Identität vergessen hat. 

Der letzte Link hat übrigens bei mir wieder funktioniert und ich blickte in viele lächelnde interessierte Gesichter.

Von daher denken wir dran: „Jeder Tag, an dem Du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ (Charlie Chaplin), auch wenn es im Moment oft ein Lächeln mit dem Monitor ist. 

Bild/Quelle: privat

Ein Gedanke zu „Hört mich jeder!

  1. Gabriele Ravenstein-Klink Antworten

    Hallo an alle,
    ja, wo sind wir mittlerweile „gelandet“ in diesen „ neuen, digitalen“ Zeiten?! Heute morgen: GoToMeeting“ mit den Kolleginnen, dann 5 Stunden ZOOM Meeting mit der Klasse, oder ist es die Klasse in der wir mit Microsoft Teams arbeiten….??!!, ….verflixt, „wer hat denn wieder die Konditionen für die „break out session“ umgestellt“?! … 4 Schülerinnen können von mir nicht zugewiesen werden und „dümpeln“ im Hauptraum herum…, irgend jemand hat vergessen sein Micro auszuschalten und ich höre Dinge, die ich gar nicht hören möchte….,.. ja, ein ganz normaler Arbeitstag! Die Angebote in der digitalen Kommunikation sind sehr vielfältig geworden und Systemabstürzte schrecken mich nicht mehr, sondern sind eine kleine Auszeit während ich das System wieder langsam hochfahre! Wer hätte sich das träumen lassen, vor ein, zwei Jahren! Niemand…..
    Andererseits ist es auch ein Segen solche Möglichkeiten nutzen zu können und im Gegensatz zum ersten Lockdown ist der Umgang mit und die Akzeptanz der Angebote viel größer geworden. Mittlerweile gehen alle souveräner damit um und können sich zumindest im Moment damit arrangieren, sogar anfreunden,…ich staune immer wieder wie wandlungsfähig und konstruktiv Menschen doch sein können. Auch das lässt mich hoffen, das wir, so hoffe ich alle, aus diesen schweren Zeiten auch etwas Gutes lernen können. Was hat denn die Menschheit grundsätzlich Leben und Überleben lassen,… sicherlich auch die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit mit schwierigen Situationen und Krisen umzugehen und nicht zuletzt zusammen zu halten, mit der Hoffnung es gemeinsam zu bewältigen. Das ist eine gute Erfahrung, trotz all der traurigen Ereignisse die auch tagtäglich geschehen. Nur Mut!

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