Die „angespannte“ Gesellschaft in der 2. Corona-Welle. Es kommt in der Krise im Grunde nicht darauf an, was die Dinge mit uns, sondern was wir aus den Dingen machen!

Haben wir uns nicht, zumindest im letzten Jahrzehnt, darauf verlassen, dass wir aufgrund des technologischen Fortschritts unverwundbar seien? Die aktuelle Corona-Krise macht diesem weltlichen Glauben an unsere Stärke einen fetten Strich durch die Rechnung. 

Vielen von uns fällt es sowieso schwer Schwäche einzugestehen. Und jetzt schwächelt sogar eine gesamte Gesellschaft, rund um den Globus. Vieles von dem, was unsere technikhörige Gesellschaft in den vergangenen Monaten erleben musste, war in unserem Zukunftsprogramm überhaupt nicht vorgesehen. Unsere Erfolgsparameter waren doch eher rasanter Wachstum, Schnelligkeit, Beschleunigung, Optimierung (Stichwort Selbstoptimierer Gesellschaft), unbegrenzte Freiheit und vieles mehr. Und im Grunde wollten viele auch dabei sein und mitmachen. Krank machende Infektionen wie in diesem Ausmaß gab es aus unserer Sicht doch nur in weit entlegenen Gegenden, sehr weit von uns entfernt, oder in einem Science Fiktion Film. Nach unserer Erwartung passiert so was auch nur irgendwo auf dem Globus, wo es keine europäischen Qualitätsmaßstäbe und Hygienestandards gibt. Und schon mal gar nicht in einer aufgeklärten Wissensgesellschaft wie unserer. 

Plötzlich aber, in rasanter Geschwindigkeit hat sich ein „kleines“ Virus über den ganzen Globus ausgebreitet und nimmt keine Rücksicht auf diverse Ländergrenzen. Dass so ein Virus die Dynamik einer technologisch mehr als hochgerüsteten Gesellschaft, aber wie wir in der Krise bemerken doch nicht so ausgefeilt, rasant bremsen kann, ist eine deutliche und unerwartete Erkenntnis. Wie wir in den letzten Monaten auch feststellen konnten wurde an einigen Stellen manches sogar komplett ohne unser Zutun außer Kraft gesetzt. Diese Erfahrung überstieg bei vielen von uns das persönliche Vorstellungsvermögen und schürte große Sorgen.

Was haben wir alle stattdessen gemeinsam in den letzten Wochen an verschiedenen Begrifflichkeiten neu kennengelernt: Lockdown, Shutup, Übersterblichkeit, FFP2 und Community-Masken, Virenlast, Inzidenzwerte, Social Distancing, Superspreader, Querdenker-Bewegung, Aluhüte, Corona-Diktatur (Mittlerweile das Unwort des Jahres 2020) u.v.m. Wir alle sind ja inzwischen auch „kleine Virologen“ geworden und können unseren Nachbarn und Freunden die epidemiologische Lage mindestens unserer Kommune aus dem Stegreif erklären… Denken wir zumindest.

Die Unsicherheit im Umgang mit dieser Pandemie hat schon sehr erkennbar und deutlich den Nerv unserer Gesellschaft getroffen, die bisher eigentlich davon ausgegangen ist andere Herausforderungen zu haben, wie den Klimawandel, die Weltwirtschaft oder diverse Wahlkämpfe in den USA oder Deutschland. Viele bedeutende Themen, sind aber stattdessen vorübergehend an den Rand gedrängt worden und wurden durch das alles beherrschende Corona-Thema überschattet.

War in der Zeit vor der Pandemie eine Erkrankung eher ein individuelles Problem, haben wir es jetzt mit einer kollektiven Herausforderung zu tun auf die politisch und gesellschaftlich angemessen reagiert werden muss. In dem Zusammenhang müssen wir auf Dauer wieder zurückfinden zu einer gesellschaftlichen Resilienz, die es uns gemeinsam ermöglicht mit gesellschaftlichen Stressfaktoren umgehen zu können. Dies wird uns zukünftig dann gut gelingen, wenn wir aus der Krise auch lernen. Nicht nur (markt-)wirtschaftliche Folgen daraus schließen, sondern auch soziale. Dazu gehört weiterhin gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen und ggf. auch auf ein Stück unserer Individualität und persönlichen Freiheit zu verzichten und das Kollektiv und Gemeinwohl stattdessen viel deutlicher in den Vordergrund zu stellen. 

Deshalb ist es am Ende nicht entscheidend, was die Dinge mit uns, sondern was wir aus den Dingen machen!

Bleiben Sie gesund!

Foto: Stockmann, privat

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