Resonanzen und Reflexionen zum Todestag von Cicely Saunders

Larger than life ist ein geflügeltes Wort in der cineografischen Populärkultur. Den Stoff für eine Hollywoodverfilmung der Kategorie larger than life gibt das ganz und gar reale Leben und Wirken von Cicely Saunders gewiss ebenfalls her. Insbesondere Ihre anthropologischen Standpunkte und Botschaften einer ganzheitlichen Sorge um die Würde und den Respekt ihres Gegenübers, lohnen es sich immer wieder anzuschauen.

Saunders Lebensreise begann an den Krankenbetten und Irrungen des Krieges, führte weiter über professionelle Ausbildungen in Pflege, Sozialarbeit und Medizin, bis hin zu höchsten akademischen Auszeichnungen sowie mehr als fünfzehnfachen Ehrendoktorwürden. Ihr Wirken formiert sich schließlich in der Begründung einer beispiellosen Bürgerbewegung. Dieser geistige Motor der Säulen der Hospizbewegung im empathischen Momentum des Du zählst, weil Du bist, wer Du bist, prägt und sichert fortwährend die Qualität palliativer Sorgearbeit weltweit (Saunders et al. 1999). Am 14. Juli 2005 beendete die 87-jährige Saunders, in dem von ihr eröffneten und geradezu bahnbrechenden Hospiz St. Christopher´s, ihre persönliche Reise auf Erden. Es kann in vielfacher Hinsicht von einem Zeugnis einer Person gesprochen werden, welches larger than life ist.

Neben den großen Bildern und Errungenschaften, die der Saunders Blockbuster hergeben würde, liegt eine gewaltige Kraft in Saunders stiller und tieferliegenden Form ihrer Lebenskunst. Sich ein lustvolles Verständnis vom Wesen und auch vom Leiden Anderer zu machen, dies ist für Saunders der Schlüssel einer glücklichen Selbsterkenntnis. Erst der Respekt vor den Persönlichkeiten der Betroffenen liefert die Grundlage einer Ermöglichung der eigenen, inneren Reise und Lebensführung (Saunders und Holder-Franz 2009).

Diesen Fährten, der Sorge um sich in der Sorge um Andere, folgend hat sich eine Gruppe angehender Sozialarbeiterinnen der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen mit Saunders Lebensreise auseinandergesetzt sowie „Corona-bedingt“ selbst einen kleinen Saunders Film als Videopräsentation produziert. Ihre Standpunkte im Gedenken der Inspiration und Wirkung von Cicely Saunders für alle Sorgearbeitenden (hier aus Perspektive angehender Sozialarbeiterinnen und die Praxis der Sozialen Arbeit) möchten wir hier präsentieren:

Sarah Steins: Für mich steckt hinter „Cicely Saunders“ mehr als nur eine Sozialarbeiterin, Krankenschwester und Ärztin. Für mich bedeutet sie der Auslöser einer weltweiten Hospizbewegung. Wenn ich an Cicely Saunders denken, dann denke ich an tausende von Menschen, die ihr Leben bereits hinter sich gelassen haben und dies Dank Cicely Saunders mit einem Lächeln und mit Besinnlichkeit machen konnten. Sie hat diese Menschen sowie deren Angehörige, bei ihren letzten inneren Reisen begleitet und ihnen durch Respekt und Wertschätzung eine friedvolle Zeit ermöglicht. Gekennzeichnet durch eine zugleich menschliche, wie professionelle Basis gilt es, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Professionellen und den persönlichen Beziehungen mit den Patient*innen zu schaffen.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Saunders konnte ich viele neue Erkenntnisse zum Thema Hospiz und zur Arbeit mit älteren Menschen sammeln, welche mir sicherlich in meinem Studium und später in meiner beruflichen Tätigkeit weiterhelfen werden.

Elisa Bongard: Saunders unermüdliches Engagement und der Weg Ihrer umfassenden Profession beeindrucken mich nachhaltig. Sie erkennt unter anderem die einzig richtige Antwort zu jeder Person, nämlich Respekt, welchen nicht nur wir Sozialarbeiter_innen auf unserem Berufsweg berücksichtigen sollen, sondern die gesamte Bevölkerung auf ihren Wegen in jeglichem Umgang mit Mitmenschen. Sie betont die innere Reise jedes einzelnen und die Individualität der Menschen und ihre persönlichen Geschichten. Diese zeigt sich in der Art sich zu begegnen und zuzuhören, in jeglichem Kontext von Kultur und Beziehung, um jedem seinen inneren Wert entgegen zu bringen. Nicht nur die Individualität des Todes, die das vorangegangene Leben wiederspiegelt, sondern auch die Individualität der inneren Reise jedes Menschen sollte auf dem persönlichen Professionsweg, besonders zum/zur Sozialarbeiter_in, besondere Beachtung finden.

Pia Kreitz: Durch die ausführliche Auseinandersetzung mit Cicely Saunders hat mich ihr Menschenbild sehr geprägt. Dieses sollte sich meiner Meinung nach jeder vor Augen führen. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist jedem Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen. Der Respekt der Persönlichkeit jedes einzelnen bildet die Grundlage zur Ermöglichung des individuellen Sterbeprozesses und der eigenen inneren Reise am Ende des Lebens. Menschen, die mit sterbenden Menschen arbeiten werden laut Saunders immer erneut vor zwei ethische Fragen gestellt; Wie gelingt die Aufrichtigkeit gegenüber den Patienten und wie gelingt die angemessene Behandlung? Hinter diesen ethischen Prinzipien sollte man sich laut ihr nicht verstecken, vielmehr sollte man sich diesen verpflichtet fühlen. Ich denke man sollte sich diese Prinzipien vor allem zu Herzen nehmen, wenn man in der Hospizarbeit tätig ist. Außerdem denke ich, dass sie viel dazu beigetragen hat, die Hospizarbeit in der Gesellschaft zu etablieren. Mir ist es durch sie leichter gefallen mich mit dem Tod zu beschäftigen und ihn nicht nur als etwas Schlechtes oder Trauriges zu betrachten.

Maren Müllenmeister: Durch die Auseinandersetzung mit Cicely Saunders habe ich erkennen können, dass erst durch die Zusammenarbeit verschiedener Professionen ein professionelles Team gewährleistet werden kann. Dies ist notwendig, um auf die individuellen Sterbeprozesse eingehen zu können.Des Weiteren wurde mir die Bedeutsamkeit der Soziale Arbeit als Profession in der Hospiz- und Palliativversorgung bewusst, da sie dazu beiträgt, Krankheit und Krankheitsfolgen zu verarbeiten, anzunehmen und das Leben damit zu organisieren.

Lea Pauls: Cicely Saunders prägte die Hospizarbeit durch ihren besonderen Umgang mit den Sterbenden. Ihr Verständnis vom Umgang mit dem Tod und dem Sterbeprozess jedes Einzelnen überdauert ihren eigenen Tod und beeinflusst bis heute die alltägliche Arbeit mit Sterbenden. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Cicely Saunders Menschenbild habe ich erkennen können, dass dieses nicht nur wichtig für die Arbeit im Hospiz ist, sondern auch für die Kinder- und Jugendhilfe, die Obdachlosenhilfe, die Arbeit mit Strafgefangenen usw. Denn Cicely Saunders selbst vereinte mehrere Arbeitsfelder. Ihre Kernaussagen des Menschenbildes: Umgang mit Würde und Respekt sowie dass jedes Leben individuell ist und jeder Mensch seine eigene innere Reise durchläuft, können also für andere Arbeitsfelder genauso wichtig und elementar sein, wie für die Arbeit mit Sterbenden. Was ich von Cicely Saunders mitnehme ist, dass es wichtig ist einen Blick über die eigene Profession hinauszuwerfen und auch wenn man in einem bestimmten Arbeitsfeld arbeitet, sich mit anderen auseinanderzusetzen und so den eigenen Horizont zu erweitern, wie Cicely Saunders es vorgemacht hat.

Bild / Quelle: Privat

Literaturverzeichnis

Saunders, Cicely; Hoerl, Christoph; Meyer, Christine (Hg.) (1999): Brücke in eine andere Welt. Was hinter der Hospiz-Idee steht. Orig.-Ausg. Freiburg im Breisgau: Herder (Herder-Spektrum, 4708).

Saunders, Cicely; Holder-Franz, Martina (2009): Sterben und Leben. Spiritualität in der Palliative Care. Zürich: TVZ Theol. Verl.

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