„Systemrelevant“?!

Unsere Bundeskanzlerin sprach davon, dass COVID-19, das Corona-Virus, eine „Zumutung für unsere Demokratie“ sei. Ich möchte diese Aussage noch um eine wichtige Facette ergänzen: dieses Virus ist auch eine große emotionale Tragödie, nicht nur wegen der (wichtigen!)  „Social Distance-Regeln“, die viele Familien – aber auch uns in unseren Caritas-Einrichtungen und -Diensten – in den letzten Wochen in große Gewissenskonflikte gebracht haben. Sondern auch wegen der großen Sorge vor dem, was das Virus in den nächsten Wochen und Monaten noch auslösen könnte, und welche Folgewirkungen dies auf unsere Gesellschaft, Arbeitswelt und Wirtschaft noch hat.

In genau dieser emotionalen und seelsorglichen Notsituation hat eine präsente Kirche für viele Menschen und unsere Gesellschaft eine große Bedeutung (eben systemrelevant)! Ich habe aber an vielen Stellen, auch in unterschiedlichen Berichten und Pressebeiträgen, immer wieder die Diskussion wahrgenommen: „Wo ist die Kirche in der Corona-Pandemie eigentlich gewesen?“.

In der Berichterstattung war von einigen (nicht nur weltlichen) Autor_innen zu lesen, dass die Kirche SO nicht mehr systemrelevant ist. Und es wurde der Vorwurf formuliert, dass sie sich in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen – und damit die Chance verpasst habe – in der Corona-Krise ein wichtiger Fels in der Brandung zu sein. Es wird eingefordert, dass unsere Kirche in der Gesellschaft in einer Krise mehr Präsenz zeigen sollte. Diese Erwartung wird aktuell auch in den Kontext mit den bereits begonnenen Diskussionen aufgrund der drohenden Kirchensteuerrückgänge und möglicher Prioritätensetzungen gestellt.

Mit großem Interesse, aber auch sehr nachdenklich, habe ich diese Beiträge und die Ausführungen gelesen. Kirche ist für mich auch Caritas (diakonische Kirche) und Caritas ist Kirche. Und ich kann mit großer Überzeugung und Stolz signalisieren, dass unsere Caritas in Arnsberg und Sundern sehr präsent gewesen ist, auch und gerade in der pandemischen Krisensituation. Wir haben uns nicht nur um unsere Einrichtungen und Dienste als Caritas gekümmert, wir waren nicht nur in der Pflege, Betreuung oder seelsorglichen Begleitung gefragt, sondern haben uns auch sehr stark in die Gesellschaft eingebracht und als Solidaritätsstifter (zum Schutz der Risikogruppen, Werbung für das gegenseitige Verständnis von Jung & Alt etc.) immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet, sowie auch über den aktuellen Stand der Entwicklung informiert. Vielen Dank deshalb auch an dieser Stelle den Kolleginnen und Kollegen im Verband und denen, die uns in der Gesellschaft dabei unterstützt haben.

Das war ein richtig starkes Stück Kirche in einer sehr schwierigen Zeit, die aber auch bis heute noch andauert und auch erhebliche soziale Herausforderungen mit sich bringen wird.

Wenn es wirtschaftlich eng wird (z.B. Stichwort Kirchensteuer), dann muss man sich ggf. fokussieren. D.h. auch Prioritäten setzen. Welche Priorität haben wir denn dann als Kirche?! Es gibt doch im Wesentlichen nur eine: und das ist der Mensch mit all seinen Unterschieden, sein Leben, seine Herausforderungen, seine Not, seine Hoffnung, sein Glaube und seine Suche…

Genau da gehört eine starke Kirche hin!

Bild/Quelle:PIRO4D / Pixabay

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