Seelsorge, die „von innen kommt“

In den Medien wird in den letzten Wochen häufig von der sozialen Isolation (nicht nur) der Menschen gesprochen, die in den stationären Einrichtungen der Altenpflege leben. Von den, inzwischen gelockerten, Zugangsbeschränkungen, wurden/werden auch seelsorgliche Angebote getroffen.

Der fehlende Kontakt zu SeelsorgerInnen, die „von außen“ kommen, wurde besonders in der Sterbebegleitung und bei Menschen mit Demenz deutlich spürbar. Nicht nur in diesem Zusammenhang sind MitarbeiterInnen in den Einrichtungen, die sich seelsorglich engagieren, ein sehr wohltuender Lichtblick. Hier wird eine Seelsorge lebendig, die in doppeltem Sinne von innen kommt: Von innen im Sinne von in der Einrichtung, und von innen im Sinne einer inneren Motivation und Berufung der MitarbeiterInnen.

Seelsorge ist zurzeit mehr denn je Beziehungsarbeit. Seelsorge schafft Beziehungen: durch Einzelbegleitung, da wo Gruppenangebote sehr reduziert wurden, durch die Bereitstellung von Tablets für Videoanrufe von BewohnerInnen mit ihren Angehörigen und Zugehörigen, durch Abendgebete mit BewohnerInnen, durch das „einfach dabei sein“ in der Sterbebegleitung, durch das das sensible Wahrnehmen der Ängste von Menschen mit Demenz, durch die Mit-Sorge mit ratlosen Angehörigen.

Es ist toll, zu erleben, wie „BegleiterInnen in der Seelsorge“ (die in den Bistümern Köln und Paderborn, qualifiziert, begleitet und beauftragt werden und in Absprache mit den Trägern, Einrichtungen und den Pastoralteams seelsorgliche Aufgaben übernehmen) gerade jetzt der Seelsorge „ein Gesicht geben“.

Dieses wird sehr eindrücklich unterstrichen durch eine spontane Umfrage, die der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V unter den Seelsorglichen Begleitungen in den Einrichtungen der stationären Hilfe durchgeführt hat.

Die gesetzlichen Beschränkungen über einen so langen Zeitraum stellten eine hohe Belastung für alle Personengruppen in stationären Einrichtungen dar: die BewohnerInnen, die Mitarbeitenden und selbstverständlich auch für die Angehörigen.

Deutlich wurde in der Evaluation, dass es durchaus Einrichtungen gab, in denen auch die Seelsorglichen Begleitungen nur eingeschränkt in ausgewählten Wohnbereichen tätig werden konnten. Die Mehrzahl der zur Seelsorge beauftragten Mitarbeitenden war jedoch, unter Berücksichtigung der notwendigen Verhaltensregeln und Hygienemaßnahmen, übermäßig angefragt.

Einzelseelsorge an den isolierten BewohnerInnen, spirituelle Angebote für Wohngruppen oder über die hausinterne Übertragungsanlage, tröstende Worte für Angehörige und FreundInnen, die ihre Lieben nicht persönlich aufsuchen durften, und auch die mut- und hoffnungmachende Zuwendung zu den Kolleginnen und Kollegen zeichneten und zeichnen das aktuelle Handeln angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus aus. 2/3 der Mitarbeitenden in Altenhilfeeinrichtungen nutzten demnach das Angebot der Seelsorglichen Begleitung. Die Spendung der Krankenkommunion und die Sterbebegleitung und Erteilung eines Sterbesegens waren ebenfalls häufig genannte Beispiele der beruflichen Praxis.

Vielleicht zeigt die Coronakrise auch uns in Kirche und Caritas, wie zukünftig Seelsorge und Pastoral gedacht werden können: dezentralisiert, durch befähigte Christinnen und Christen, die ihrer Berufung folgen und an ihren Lebens- und Arbeitsorten von der liebenden Zuwendung Gottes in Wort und Tat berichten. Einrichtungen entwickeln sich so zu pastoralen Orten, zu Orten des gelebten Glaubens weiter.

Wie schön wäre es, wenn ein solches Modell auch „nach außen gehen würde“ und die seelsorglichen Versorgungslücken in den Dörfern, Stadtvierteln und Quartieren überbrücken könnte…

Peter Bromkamp und Ralf Nolte

Bild/Quelle: Unsplash / Georg Arthur Pflueger

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