{"id":917,"date":"2020-11-25T16:44:30","date_gmt":"2020-11-25T15:44:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=917"},"modified":"2020-11-25T16:44:32","modified_gmt":"2020-11-25T15:44:32","slug":"spirituelle-sorge-in-corona-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2020\/11\/25\/spirituelle-sorge-in-corona-zeiten\/","title":{"rendered":"<strong>Spirituelle Sorge in Corona-Zeiten<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>3. \u201eKeyholder\u201c-Treffen der Transferinitiative Aachen im Pilotprojekt \u201eVersorgungsbr\u00fccken statt Versorgungsl\u00fccken\u201c <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Menschen in Zeiten der Covid-19-Pandemie rufen mehr denn je nach glaubw\u00fcrdiger psychosozialer und spiritueller Begleitung, besonders in palliativen Situationen. Das war eine gemeinsame Erkenntnis beim dritten sogenannten \u201eKeyholder\u201c-Treffen der Transferinitiative Aachen, die sich mit verschiedenen Projekten auf spirituelle Sorge in palliativer Begleitung konzentriert. Gemeinsam blickten die Projektverantwortlichen der KatHO, des Di\u00f6zesancaritasverbandes und der sechs (teil-) station\u00e4ren und ambulanten Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie einer Einrichtung der Eingliederungshilfe auf ein extrem bewegtes und weiterhin bewegendes Jahr zur\u00fcck. Es zeigte sich: In den zu Jahresbeginn gestarteten Teilprojekten entstanden vor Ort Prototypen von gelingendem Transfernlernen, f\u00fcr welche sich die Wortsch\u00f6pfung \u201eCare-Labore\u201c fand. Im aktuellen Prozess gehen die einzelnen Care-Labore zum Jahreswechsel in ihre Implementierungsphase \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Umgang mit Ungewissheiten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die pandemischen Begleitumst\u00e4nde haben nicht nur die ganze Care- (Sorge-)Landschaft, sondern darin auch die beteiligten Einrichtungen im Transferprojekt vollkommen unvorbereitet getroffen, so dass es teilweise schwierig bis unm\u00f6glich war, die urspr\u00fcngliche Projektausrichtung beizubehalten. Der Schutz von und die Sorge f\u00fcr besonders vulnerable(n) Gruppen von Menschen in Corona-Zeiten (z.B. dementiell erkrankte Menschen) war und ist eine immense organisationale Herausforderung. Eine dramatische Paradoxie liegt mitunter darin, dass der Versuch, angemessen auf Risiken zu reagieren, selbst wieder riskant sein kann. Unter gro\u00dfem zus\u00e4tzlichen Engagement und Kreativit\u00e4t laufen, so berichteten die Verantwortlichen, die Alltagsprozesse der Organisationen weiter, w\u00e4hrend man sich gleichzeitig und fortlaufend in der Operationalisierung der gesetzlichen Landesverordnungen neu anpassen muss \u2013 und dies teilweise weit \u00fcber die \u00fcblichen Belastungsgrenzen hinaus. Mehr denn je braucht es momentan Orte und R\u00e4ume, so das einhellige Votum, wo miteinander in Ruhe \u00fcber die teilweise t\u00e4glich angepassten Entscheidungen und Anweisungen in der Organisation reflektiert und vorausgedacht werden kann. Es geht um einen souver\u00e4nen Umgang mit Ungewissheiten, \u201ef\u00fcr die es in mehr als 30-Dienstjahren keinen Vergleich gibt\u201c, so die eindr\u00fcckliche Bemerkung eines anwesenden Einrichtungsleiters.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Kernanliegen best\u00e4rkt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist das Kernanliegen der Aachener Transferinitiative, f\u00fcr eine spirituelle Begleitung, besonders in palliativen Versorgungsprozessen, in den beteiligten Einrichtungen Sorge zu tragen, Raum zu geben und dieser Sorge Gesicht und Ansehen verschaffen zu wollen. Dieses Kernanliegen wurde r\u00fcckblickend ausdr\u00fccklich best\u00e4rkt \u2013 gerade im Umgang mit den in Corona-Zeiten nochmals gestiegenen spirituellen Bed\u00fcrfnissen von Bewohner*innen, Zugeh\u00f6rigen sowie nicht zuletzt auch von Mitarbeitenden und Leitungskr\u00e4ften selbst. Unter der \u00dcberschrift <em>\u201eSpiritual Care Momente\u201c<\/em> sammeln beispielsweise zwei Einrichtungen (parallel zur Implementierung des halbstrukturierten klinischen Assessmentinterviews \u201eSPIR\u201c) diesbez\u00fcgliche Erfahrungsnarrative der Mitarbeitenden in Feldlogb\u00fcchern und binden diese mit Evaluationen aus hermeneutischen Fallarbeitsprozessen in Gruppendiskussionen zur selbst- und patientenzentrierten Reflexion wieder zur\u00fcck. Zwei weitere Projekte suchen unter dem Slogan <em>\u201esmells like Teamspirit\u201c <\/em>ebenfalls mit der Verwendung von Narrativen aus Feldlogb\u00fcchern und der Implementierung klinischer Assessmentinstrumente nach Selbstorganisationsprozessen einer Spiritual Care Teamkultur. Ein weiteres thematisches Paar bilden zwei Teilprojekte, die unter dem Titel <em>\u201eSpiritualit\u00e4t und Lebensf\u00fchrung\u201c <\/em>zusammengefasst werden k\u00f6nnen. In einer Videodokumentation kommen dort Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen selbst in pers\u00f6nlichen Portraits zu Wort. Die Interviews mit ihnen greifen Themen zu ihren spirituell-religi\u00f6sen Beheimatungen, Wertekontexten und spirituellen Bed\u00fcrfnissen auf und bringen ihre Erfahrungen und Ver\u00e4nderungen gerade in Corona-Zeiten in Wort und Bild.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drei Arbeitsbereiche<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neben den oben skizzierten Care-Laboren in den Einrichtungen fanden auf einer \u00fcbergreifenden Ebene in diesem Jahr turnusm\u00e4\u00dfige \u201eKeyholder\u201c-Treffen, Workshops und \u00f6ffentliche Kolloquien statt, mittlerweile in digitaler Form (Bereich 1). Zu Beginn der Pandemie wurde ebenfalls eine Blog-Plattform zum Austausch von Akteuren im Sozial- und Gesundheitswesen gestaltet (<a href=\"http:\/\/www.care-lichtblicke.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.care-lichtblicke.de<\/a>), welche auf gro\u00dfe Resonanz und Beteiligung stie\u00df, teilweise auch von Studierenden der KatHO (Bereich 2). Als dritte und komplettierende Ebene wird im Januar 2021 eine explorative Interviewstudie mit Betroffenen, Fachkr\u00e4ften und Leitungspersonen unter dem Titel \u201eSpirituelle Sorge in Corona Zeiten\u201c starten (Bereich 3). Es zeigt sich, so die Best\u00e4tigung der beteiligten Einrichtungsverantwortlichen, dass die Begleitumst\u00e4nde der Covid-19-Pandemie, nicht nur einen neuen Sinn f\u00fcr eine spirituelle Lebensgestaltung wachrufen, sondern auch innovative Antworten und Angebote in der Begleitung von Menschen zutage f\u00f6rdern \u2013 gerade im Umgang mit Sterben, Trauer und Verlust. Insbesondere der Transferlernprozess der Care-Labore erweist sich als flexible Methodik im Lernen von Organisationen, indem dort und dadurch die subjektiven Erfahrungen und Bed\u00fcrfnisse (das personale Wissen und humane Kapital) verbalisiert, als organisationales Wissen systematisiert und in der Organisationskultur implementiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bew\u00e4hrt sich r\u00fcckblickend und vorausschauend, dass das Pilotprojekt auf einem offenen Spiritualit\u00e4tsbegriff aufbaut, der den religionsgebundenen wie religionsungebundenen Spiritualit\u00e4ten von Bewohnern wie Mitarbeitern Raum l\u00e4sst, Stimme verleiht, m\u00f6glichst viele an spirituellen Themen und Angeboten beteiligt, von ihren Fragen und Erfahrungen ausgeht, und um deren Resilienzst\u00e4rkung und Selbstwirksamkeit nachhaltig bem\u00fcht ist. Es ist, wie bei diesem Treffen bekr\u00e4ftigt wurde, gerade in Corona-Zeiten das Sterben und eine w\u00fcrdige Begleitung, der angemessene Umgang mit Trauer, Verlusten und das Vermissen von Personen und Vertrautem, was ein Bewusstwerden und Besinnen auf das, was uns wichtig und wesentlich ist (und uns oftmals fehlt), f\u00f6rdert und zugleich die Begleitenden herausfordert, angemessene und glaubw\u00fcrdige Antworten darauf zu suchen und zu geben. Das Jahr 2021 l\u00e4sst einen spannenden weiteren Verlauf der Aachener Transferinitiative erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Projektverantwortung am Standort Aachen: Prof. Dr. Rainer Krockauer (Projektleiter) und Johannes Mertens M.A. (Transferreferent): <a href=\"http:\/\/www.versorgungsbruecken.de\">www.versorgungsbruecken.de<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.care-lichtblicke.de\">www.care-lichtblicke.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kontakt: <a href=\"mailto:j.mertens@katho-nrw.de\">j.mertens@katho-nrw.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. \u201eKeyholder\u201c-Treffen der Transferinitiative Aachen im Pilotprojekt \u201eVersorgungsbr\u00fccken statt Versorgungsl\u00fccken\u201c Menschen in Zeiten der Covid-19-Pandemie rufen mehr denn je nach glaubw\u00fcrdiger psychosozialer und spiritueller Begleitung, besonders in palliativen Situationen. 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