{"id":657,"date":"2020-07-14T05:47:00","date_gmt":"2020-07-14T03:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=657"},"modified":"2020-08-18T21:18:03","modified_gmt":"2020-08-18T19:18:03","slug":"resonanzen-und-reflexionen-zum-todestag-von-cicely-saunders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2020\/07\/14\/resonanzen-und-reflexionen-zum-todestag-von-cicely-saunders\/","title":{"rendered":"Resonanzen und Reflexionen zum Todestag von Cicely Saunders"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Larger than life<\/em> ist ein gefl\u00fcgeltes Wort in der cineografischen Popul\u00e4rkultur. Den Stoff f\u00fcr eine Hollywoodverfilmung der Kategorie <em>larger than life<\/em> gibt das ganz und gar reale Leben und Wirken von Cicely Saunders gewiss ebenfalls her. Insbesondere Ihre anthropologischen Standpunkte und Botschaften einer ganzheitlichen Sorge um die W\u00fcrde und den Respekt ihres Gegen\u00fcbers, lohnen es sich immer wieder anzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Saunders Lebensreise begann an den Krankenbetten und Irrungen des Krieges, f\u00fchrte weiter \u00fcber professionelle Ausbildungen in Pflege, Sozialarbeit und Medizin, bis hin zu h\u00f6chsten akademischen Auszeichnungen sowie mehr als f\u00fcnfzehnfachen Ehrendoktorw\u00fcrden. Ihr Wirken formiert sich schlie\u00dflich in der Begr\u00fcndung einer grandiosen B\u00fcrgerbewegung. Dieser geistige Motor der S\u00e4ulen der Hospizbewegung im empathischen Momentum des <em>Du z\u00e4hlst, weil Du bist, wer Du bist<\/em>, pr\u00e4gt und sichert fortw\u00e4hrend die Qualit\u00e4t palliativer Sorgearbeit weltweit (Saunders et al. 1999). Am 14. Juli 2005 beendete die 87-j\u00e4hrige Saunders, in dem von ihr er\u00f6ffneten und geradezu bahnbrechenden Hospiz <em>St. Christopher\u00b4s, <\/em>ihre pers\u00f6nliche Reise auf Erden. Es kann in vielfacher Hinsicht von einem Zeugnis einer Person gesprochen werden, welches larger than life ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den gro\u00dfen Bildern und Errungenschaften, die der Saunders Blockbuster hergeben w\u00fcrde, liegt eine gewaltige Kraft in Saunders stiller und tieferliegenden Form ihrer Lebenskunst. Sich ein lustvolles Verst\u00e4ndnis vom Wesen und auch vom Leiden Anderer zu machen, dies ist f\u00fcr Saunders der Schl\u00fcssel einer gl\u00fccklichen Selbsterkenntnis. Erst der Respekt vor den Pers\u00f6nlichkeiten der Betroffenen liefert die Grundlage einer Erm\u00f6glichung der eigenen, inneren Reise und Lebensf\u00fchrung (Saunders und Holder-Franz 2009).<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen F\u00e4hrten, der Sorge um sich in der Sorge um Andere, folgend hat sich eine Gruppe angehender Sozialarbeiterinnen der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen mit Saunders Lebensreise auseinandergesetzt sowie \u201eCorona-bedingt\u201c selbst einen kleinen Saunders Film als Videopr\u00e4sentation produziert. Ihre Standpunkte im Gedenken der Inspiration und Wirkung von Cicely Saunders f\u00fcr alle Sorgearbeitenden (hier aus Perspektive angehender Sozialarbeiterinnen und die Praxis der Sozialen Arbeit) m\u00f6chten wir hier pr\u00e4sentieren:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sarah Steins<\/strong>: <em>F\u00fcr mich steckt hinter \u201eCicely Saunders\u201c mehr als nur eine Sozialarbeiterin, Krankenschwester und \u00c4rztin. F\u00fcr mich bedeutet sie der Ausl\u00f6ser einer weltweiten Hospizbewegung. Wenn ich an Cicely Saunders denken, dann denke ich an tausende von Menschen, die ihr Leben bereits hinter sich gelassen haben und dies Dank Cicely Saunders mit einem L\u00e4cheln und mit Besinnlichkeit machen konnten. Sie hat diese Menschen sowie deren Angeh\u00f6rige, bei ihren letzten inneren Reisen begleitet und ihnen durch Respekt und Wertsch\u00e4tzung eine friedvolle Zeit erm\u00f6glicht. Gekennzeichnet durch eine zugleich menschliche, wie professionelle Basis gilt es, ein Gleichgewicht zwischen den Bed\u00fcrfnissen der Professionellen und den pers\u00f6nlichen Beziehungen mit den Patient*innen zu schaffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Durch die Auseinandersetzung mit dem Werk von Saunders konnte ich viele neue Erkenntnisse zum Thema Hospiz und zur Arbeit mit \u00e4lteren Menschen sammeln, welche mir sicherlich in meinem Studium und sp\u00e4ter in meiner beruflichen T\u00e4tigkeit weiterhelfen werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisa Bongard: <\/strong><em>Saunders unerm\u00fcdliches Engagement und der Weg Ihrer umfassenden Profession beeindrucken mich nachhaltig. Sie erkennt unter anderem <\/em><em>die einzig richtige Antwort zu jeder Person, n\u00e4mlich Respekt, welchen nicht nur wir Sozialarbeiter_innen auf unserem Berufsweg ber\u00fccksichtigen sollen, sondern die gesamte Bev\u00f6lkerung auf ihren Wegen in jeglichem Umgang mit Mitmenschen.<\/em><em> Sie betont die innere Reise jedes einzelnen und die Individualit\u00e4t der Menschen und ihre pers\u00f6nlichen Geschichten. <\/em><em>Diese zeigt sich in der Art sich zu begegnen und zuzuh\u00f6ren, in jeglichem Kontext von Kultur und Beziehung, um jedem seinen inneren Wert entgegen zu bringen. <\/em><em>Nicht nur die Individualit\u00e4t des Todes, die das vorangegangene Leben wiederspiegelt, sondern auch die Individualit\u00e4t der inneren Reise jedes Menschen sollte auf dem pers\u00f6nlichen Professionsweg, besonders zum\/zur Sozialarbeiter_in, besondere Beachtung finden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pia Kreitz:<\/strong> <em>Durch die ausf\u00fchrliche Auseinandersetzung mit Cicely <\/em><em>Saunders hat mich ihr Menschenbild sehr gepr\u00e4gt. Dieses sollte sich meiner Meinung nach jeder vor Augen f\u00fchren. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist jedem Menschen mit W\u00fcrde und Respekt zu begegnen. Der Respekt der Pers\u00f6nlichkeit jedes einzelnen bildet die Grundlage zur Erm\u00f6glichung des individuellen Sterbeprozesses und der eigenen inneren Reise am Ende des Lebens. Menschen, die mit sterbenden Menschen arbeiten werden laut Saunders immer erneut vor zwei ethische Fragen gestellt; Wie gelingt die Aufrichtigkeit gegen\u00fcber den Patienten und wie gelingt die angemessene Behandlung? Hinter diesen ethischen Prinzipien sollte man sich laut ihr nicht verstecken, vielmehr sollte man sich diesen verpflichtet f\u00fchlen. Ich denke man sollte sich diese Prinzipien vor allem zu Herzen nehmen, wenn man in der Hospizarbeit t\u00e4tig ist. Au\u00dferdem denke ich, dass sie viel dazu beigetragen hat, die Hospizarbeit in der Gesellschaft zu etablieren. Mir ist es durch sie leichter gefallen mich mit dem Tod zu besch\u00e4ftigen und ihn nicht nur als etwas Schlechtes oder Trauriges zu betrachten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Maren M\u00fcllenmeister: <\/strong><em>Durch die Auseinandersetzung mit Cicely Saunders habe ich erkennen k\u00f6nnen, dass erst durch die Zusammenarbeit verschiedener Professionen ein professionelles Team gew\u00e4hrleistet werden kann. Dies ist notwendig, um auf die individuellen Sterbeprozesse eingehen zu k\u00f6nnen.<\/em><em>Des Weiteren wurde mir die Bedeutsamkeit der Soziale Arbeit als Profession in der Hospiz- und Palliativversorgung bewusst, da sie dazu beitr\u00e4gt, Krankheit und Krankheitsfolgen zu verarbeiten, anzunehmen und das Leben damit zu organisieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lea Pauls: <\/strong><em>Cicely Saunders pr\u00e4gte die Hospizarbeit durch ihren besonderen Umgang mit den Sterbenden. Ihr Verst\u00e4ndnis vom Umgang mit dem Tod und dem Sterbeprozess jedes Einzelnen \u00fcberdauert ihren eigenen Tod und beeinflusst bis heute die allt\u00e4gliche Arbeit mit Sterbenden. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Cicely Saunders Menschenbild habe ich erkennen k\u00f6nnen, dass dieses nicht nur wichtig f\u00fcr die Arbeit im Hospiz ist, sondern auch f\u00fcr die Kinder- und Jugendhilfe, die Obdachlosenhilfe, die Arbeit mit Strafgefangenen usw. Denn Cicely Saunders selbst vereinte mehrere Arbeitsfelder. Ihre Kernaussagen des Menschenbildes: Umgang mit W\u00fcrde und Respekt sowie dass jedes Leben individuell ist und jeder Mensch seine eigene innere Reise durchl\u00e4uft, k\u00f6nnen also f\u00fcr andere Arbeitsfelder genauso wichtig und elementar sein, wie f\u00fcr die Arbeit mit Sterbenden. Was ich von Cicely Saunders mitnehme ist, dass es wichtig ist einen Blick \u00fcber die eigene Profession hinauszuwerfen und auch wenn man in einem bestimmten Arbeitsfeld arbeitet, sich mit anderen auseinanderzusetzen und so den eigenen Horizont zu erweitern, wie Cicely Saunders es vorgemacht hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\">Bild \/ Quelle: Privat<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\">Literaturverzeichnis<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\">Saunders, Cicely; Hoerl, Christoph; Meyer, Christine (Hg.) (1999): Br\u00fccke in eine andere Welt. Was hinter der Hospiz-Idee steht. Orig.-Ausg. Freiburg im Breisgau: Herder (Herder-Spektrum, 4708).<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\">Saunders, Cicely; Holder-Franz, Martina (2009): Sterben und Leben. Spiritualit\u00e4t in der Palliative Care. Z\u00fcrich: TVZ Theol. Verl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Larger than life ist ein gefl\u00fcgeltes Wort in der cineografischen Popul\u00e4rkultur. 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