{"id":340,"date":"2020-05-03T05:38:00","date_gmt":"2020-05-03T03:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=340"},"modified":"2020-04-30T11:41:16","modified_gmt":"2020-04-30T09:41:16","slug":"selbstreinigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2020\/05\/03\/selbstreinigung\/","title":{"rendered":"Selbstreinigung"},"content":{"rendered":"\n<p>Perspektiven und Ma\u00dfst\u00e4be eines gelungenen und gl\u00fccklichen Lebens aufzuzeigen, mag ein Bestreben aller Religionen sein. Besonders der Buddhismus, dessen Lehre und Praxis in der Wahrheit des Leidens in uns und in der Welt sowie dessen \u00dcberwindung gr\u00fcndet, hebt immer wieder hervor, dass neben dem Leiden stets die erstrebenswerte M\u00f6glichkeit von Gl\u00fcck und von Wohlbefinden existiert. Damit verbundene Schl\u00fcsselbegriffe wie \u201eAchtsamkeit\u201c und \u201eGeduld\u201c machen zugleich aber deutlich, dass dieses Gl\u00fcck an Arbeit gebunden ist &#8211; an die st\u00e4ndige Arbeit an sich selbst.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZuerst zieht man im Hauseingang die Schuhe aus und stellt sie ordentlich hin. Das ist der Anfang, wenn man den Geist ordnen will.\u201c Diesen und weitere zun\u00e4chst profan klingende Ratschl\u00e4ge erteilt der buddhistische M\u00f6nch Shoukei Matsumoto in seinem kleinen Buch \u201eDie Kunst des achtsamen Putzens\u201c. Gem\u00e4\u00df des Titels legt er darin dar, Putzen nicht als l\u00e4stige Pflicht sondern als ein tagt\u00e4glich zu wiederholendes Ritual der Reinigung anzusehen, das \u00e4u\u00dferes Wohlbefinden ebenso schenken kann wie geistige Klarheit. \u201eSaubermachen bedeutet nicht zu putzen, weil es schmutzig ist, sondern um den Geist zu reinigen.\u201c In diesem Verst\u00e4ndnis gewinnt&nbsp; das konkrete Putzen, das gemeinhin als niederschwellige, zeitraubende T\u00e4tigkeit angesehen wird, symbolische und notwendige Bedeutung f\u00fcr den Prozess der Arbeit an sich selbst und der bedachten Sorge um sich selbst und andere. \u201eDer Tag eines buddhistischen Priesters beginnt mit Saubermachen. (\u2026.) Wir entfernen den Schmutz, um den Geist von weltlichen Sorgen zu reinigen. Wir putzen den Dreck weg, um uns von Verhaftungen zu l\u00f6sen.\u201c Die achtsame Reinigung der Umgebung, des eigenen K\u00f6rpers und der Dinge, die uns anvertraut sind, wird zu einer kontemplativen \u00dcbung, den Geist auf das Hier und Jetzt auszurichten und eine Haltung gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Achtsamkeit auszupr\u00e4gen. \u201eDenn das Putzen ist eine Praxis, sich auf das \u201aJetzt\u2018 zu konzentrieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kann Saubermachen daher gl\u00fccklich machen? Gewi\u00df, w\u00fcrde der japanische M\u00f6nch S. Matsumoto antworten. Denn es schenkt die Erfahrung wahrer Freiheit. Sie besteht nicht darin, den eigenen Vorstellungen und W\u00fcnschen blind zu folgen, sondern unabh\u00e4ngig von Gegebenheiten und Umst\u00e4nden ein Grundgef\u00fchl tiefer Freude in sich zu tragen. Und diese Freude entsteht durch die Erfahrung erf\u00fcllter Zeit und erf\u00fcllter T\u00e4tigkeit &#8211; wie die des Putzens. Gerade weil sie angesichts der ewigen Wiederkehr von Schmutz und Staub auch die befreiende Selbsterkenntnis lehrt, mit der Arbeit an sich selbst niemals fertig werden zu k\u00f6nnen. \u201ePutzen sollten wir mit dem Gef\u00fchl, unser Herz zu reinigen. (\u2026) So viel wir es auch reinigen, wir kommen damit nicht ans Ende, und genau darum geht es bei der buddhistischen Praxis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Literaturangabe: Shoukei Matsumoto, Die Kunst des achtsamen Putzens. Wie wir Haus &amp; Seele reinigen. M\u00fcnchen 2019<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild\/Quelle: Shreya Sharma\/Unsplash<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Perspektiven und Ma\u00dfst\u00e4be eines gelungenen und gl\u00fccklichen Lebens aufzuzeigen, mag ein Bestreben aller Religionen sein. 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