{"id":1747,"date":"2022-04-26T14:40:00","date_gmt":"2022-04-26T12:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1747"},"modified":"2022-09-13T14:45:53","modified_gmt":"2022-09-13T12:45:53","slug":"soziale-arbeit-und-transprofessionelle-kooperation-in-einer-palliativen-sorgekultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2022\/04\/26\/soziale-arbeit-und-transprofessionelle-kooperation-in-einer-palliativen-sorgekultur\/","title":{"rendered":"Soziale Arbeit und transprofessionelle Kooperation in einer palliativen Sorgekultur"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Impuls von Rainer Krockauer und Manfred Borutta zum 114.Hospizgespr\u00e4ch &#8220;Soziale Arbeit und Palliative Care&#8221; in Aachen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Impuls versuchen wir, Manfred Borutta und ich, eine <em>W\u00fcrdigung <\/em>der transprofessionellen Bedeutung von Sozialer Arbeit in einer palliativen Sorgekultur. Ich beginne zun\u00e4chst (1.-4.), der Kollege wird dann daran anschlie\u00dfen (5.-7.).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drei kurze Vorbemerkungen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(1) Wir beide argumentieren aus der Perspektive verb\u00fcndeter Fachdisziplinen, der Theologie und der Pflegewissenschaft, und einer entsprechenden professionellen Identit\u00e4t und Felderfahrung als Seelsorger bzw. Altenpfleger.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Der Begriff \u201etransprofessionell\u201c markiert, dass an hospizlichen Orten Inhalte und Fragen existieren, die die Professionen \u00fcbergreifend verbinden. Er markiert auch, dass dort gleichzeitig Herausforderungen und Zukunftsfragen benannt werden k\u00f6nnen, die nicht allein professionsspezifisch zu sehen, sondern in einem transprofessionellen B\u00fcndnis zu l\u00f6sen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Ohne ein intrinsisches Interesse an den Belangen und Fragen der jeweils anderen Professionen geht es im Grunde nicht in einer palliativen Sorgekultur. Die andere Profession ist so wichtig, um des gemeinsamen hospizlichen Auftrags willen, dass auch Interesse aneinander allein nicht gen\u00fcgen wird, wenn nicht wechselseitige Unterst\u00fctzung durch Feedback und Kritik dazukommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles sind Gr\u00fcnde, warum wir uns hier und heute auf die Seite der Sozialen Arbeit schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>(1.) Der pr\u00e4gende Kontext einer palliativen Sorgekultur.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte mit einer grundlegenden Erfahrung beginnen, die alle Professionen in einer palliativen Sorgekultur betrifft: Es ist die Tatsache, dass einen dieser spezifische Arbeitskontext nachhaltig, ja zutiefst pr\u00e4gt: Die tagt\u00e4gliche Begegnung mit Menschen mit lebensverk\u00fcrzenden Erkrankungen, die Allt\u00e4glichkeit des nahen Lebensendes wirken auf einen intensiv ein, die Geschichten und Botschaften der Klientinnen beeinflussen das eigene Selbstverst\u00e4ndnis und bekr\u00e4ftigen mit den Jahren eine bestimmte Haltung im Leben, z.B. die Achtsamkeit im Hier und Jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Christiane zu Salm hat als ambulante Sterbebegleiterin in Berlin Menschen am Lebensende eingeladen, einen Nachruf auf ihr Leben zu verfassen. Die Dokumente, als Buch ver\u00f6ffentlicht, sind Zeugnisse \u201evon ergreifender Echtheit\u201c, zusammenhalten vom Buchtitel: \u201eDieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben.\u201c Die Autorin bekr\u00e4ftigt: Die begleiteten Menschen und deren Nachrufe arbeiten in ihr lange nach, die Begegnungen mit ihnen wirken wie ein \u201eDestillationsvorgang\u201c, in dem \u201eman gedanklich das herauskristallisieren kann, was am Ende eigentlich bleibt. Oben flie\u00dft eine gro\u00dfe Menge Leben rein, unten tropft das Destillat heraus: die Quintessenz diesen einen abgelaufenen Lebens. Das Wesentliche halt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das d\u00fcrfte, so vermute ich, auch im Blick auf die Quintessenz des eigenen professionellen Denkens und Handelns gelten. Was sich im hospizlichen Engagement mit der Zeit herauskristallisieren kann, ist ein origin\u00e4res Profil als Sozialarbeiterin, als Theologe oder Pflegekraft in Palliative Care.<\/p>\n\n\n\n<p>So \u00e4hnlich denkt der Sozialpsychologie Harald Welzer. \u201eNachruf auf mich selbst\u201c, nennt er sein j\u00fcngstes Buch. Es ist ein flammender Appell, den Erfahrungen mit Sterben und Tod etwas Entscheidendes zuzutrauen: N\u00e4mlich, dass man sich der Quintessenz der eigenen disziplin\u00e4ren Ausrichtung im Angesicht unmittelbarer Endlichkeit bewusst werden kann. Welzer wird u.a. durch die eigene Krisenerfahrung eines Herzinfarktes und dessen gl\u00fcckliches \u00dcberleben angetrieben, einen Nachruf auf sich selbst zu verfassen, auf sich als Sozialpsychologe. Er empfiehlt seinen Leser:innen, es schon mitten im beruflichen Engagement mit einem Nachruf auf sich selbst zu versuchen, \u201edar\u00fcber, wie sie oder er gelebt zu haben hofft, wenn er noch lebt. \u2026 Wer will ich gewesen sein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wer will ich gewesen sein?<\/em> Eine gute Frage, denke ich mir, auch f\u00fcr uns: Wer will ich als Sozialarbeiterin, als Theologe, \u00c4rztin oder Pflegekraft in einer palliativen Sorgekultur gewesen sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>2. Kooperativ agieren, komplement\u00e4r denken, dialogisch vorgehen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was ist mein origin\u00e4res Profil? Eine gute Frage, vielleicht besonders f\u00fcr die Soziale Arbeit. Ist sie doch, die \u201evielleicht am meisten untersch\u00e4tzte Profession in der Palliativversorgung\u201c, so der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio. Von Beginn an ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil von Palliative Care. Sie hat auch viel erreicht, \u201eals Perspektive ist aber (so erg\u00e4nzt die M\u00fcnchener Kollegin Maria Wasner) eine deutliche inhaltliche und strukturelle Sch\u00e4rfung des spezifischen Profils durchaus m\u00f6glich und an vielen Stellen auch n\u00f6tig\u201c. Es gehe um Selbstbewusstsein und Profilst\u00e4rkung, aber auch um das Bewusstsein f\u00fcr ein verbindendes Profil aller palliativen Professionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir scheint das wichtig zu sein: Es gibt viel mehr, was uns verbindet, als was uns trennt. Das h\u00e4ngt mit drei Bedingungen zusammen, die in meinen Augen professionelles Arbeiten von allen in einer palliativen Sorgekultur betreffen:<\/p>\n\n\n\n<p>1: Es gilt dort eine unbedingte, ja radikale Betroffenenorientierung. Sie bringt zwangsl\u00e4ufig eine entsprechende Priorisierung der eigenen Fachinhalte mit sich. Das hei\u00dft: Nicht was in der eigenen Fachdisziplin angesagt ist, gilt und z\u00e4hlt in erster Linie, sondern was die betroffenen Personen fragen und suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>2: Die gebotene interprofessionelle Kooperation h\u00e4lt einem tagt\u00e4glich die Inhalte der anderen Professionen vor Augen, um sich von der eigenen Fachdisziplin dazu zu verhalten. Interdisziplin\u00e4re Kompetenzen sind gewisserma\u00dfen Grundbedingungen f\u00fcr jeden, um im Spiel zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>3: Hinzu kommt drittens: Die Hospiz-G\u00e4ste dr\u00e4ngen jeden Engagierten unmittelbar mit Ihrer Authentizit\u00e4t, mit dem, was man pers\u00f6nlich, inhaltlich und methodisch zu bieten hat, ohne Umschweife auf den Punkt zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was verbindet vor diesem Hintergrund alle Professionen in einer palliativen Sorgekultur miteinander? Ich w\u00fcrde es so formulieren: Es gilt f\u00fcr alle: Kooperativ statt solit\u00e4r zu agieren! Komplement\u00e4r statt exklusiv zu denken! Dialogisch statt monologisch vorzugehen! <em>Kooperativ agieren!<\/em> Warum? Um gemeinsam etwas zu schaffen, was man alleine nicht schaffen k\u00f6nnte. <em>Komplement\u00e4r denken!<\/em> Um die eigenen Inhalte erg\u00e4nzend, bereichernd auf die der anderen zu beziehen. <em>Dialogisch vorgehen!<\/em> Um sich mit der eigenen Professionalit\u00e4t nicht zu verstecken, sondern sie der lebendigen Begegnung auszusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allem Verbindenden: Was k\u00f6nnte ein spezifisches, eigenes Profil der Sozialen Arbeit sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>3. Soziale Arbeit als Wegbereiterin f\u00fcr transprofessionelle Kommunikation<\/em><\/strong><strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem einschl\u00e4gigen Handbuch \u201eSoziale Arbeit in Palliative Care\u201c betont Maria Wasner zu Recht, dass deren Bedeutung bis heute zu wenig wahrgenommen werde. \u201eZum Teil mag das daran liegen, dass in Deutschland keinerlei rechtliche Vorgaben f\u00fcr die Anwesenheit und strukturelle Einbindung von Sozialarbeitern auf Palliativstationen oder in station\u00e4ren Hospizen existieren, zum anderen daran, dass Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit fehlen.\u201c Ist die Einsch\u00e4tzung zutreffend? Und gilt die von Borasio ge\u00e4u\u00dferte Auffassung weiter, Soziale Arbeit werde oft nur \u201eals \u201aAnh\u00e4ngsel\u2018 im Rahmen der von den Leistungstr\u00e4gern etwas despektierlich betrachteten psychosozialen Versorgung am Lebensende angesehen. Dabei ist sie ein wesentlicher \u2026 ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t von lebensbedrohlich erkrankten Patienten und ihren Angeh\u00f6rigen, unter Einbeziehung physischer, psychosozialer und spiritueller Aspekte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Borasio unterstreicht hier zu Recht ihre transdisziplin\u00e4re Kompetenz als ein besonderes Qualit\u00e4tsmerkmal. Vielleicht sollte man sogar weitergehen und sie als m\u00f6gliche Wegbereiterin verstehen, um die zwischen den Professionen und Disziplinen verhandelten Themen und Fragen aufzusammeln, an die anderen heranzutragen und eine Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber anzuregen, also Vermittlerin in der Kooperation und Kommunikation zwischen den Professionen zu sein. Oder anders gesagt: Ist sie durch ihr generalistisches Selbstverst\u00e4ndnis und durch ihre integrierende Rezeption unterschiedlicher Bezugswissenschaften nicht geradezu daf\u00fcr pr\u00e4destiniert, transdisziplin\u00e4r relevante Themen, Fragen oder Probleme stellvertretend f\u00fcr die anderen zu benennen, z.B. dr\u00e4ngende gesellschaftspolitische Fragen. Damit sind wir bei einem zweiten m\u00f6glichen Profilpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>4. Soziale Arbeit als gesellschaftspolitische Anw\u00e4ltin<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Andreas Heller und Reimer Gronemeyer haben j\u00fcngst f\u00fcr \u201edie gesellschaftspolitische Reorientierung der Hospizbewegung\u201c pl\u00e4diert. Die Hospizidee brauche neu politische Anwaltschaft. Ein Impuls, den wir besonders vor dem Hintergrund der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Erfahrungen mit der Corona-Pandemie h\u00f6ren k\u00f6nnen. Er erreicht uns aber auch deswegen, weil das letzte Jahr durch seine einschneidenden globalen Krisen \u201eweltweit hospizliches Handeln\u201c provoziert habe. Es gehe mehr denn je lokal wie global um den gelingenden \u201e\u00dcbergang \u2026 zu einer lebensfreundlichen, sorgenden Gesellschaft und Welt. Die Hospizbewegung stehe, so die beiden, \u201eheute vor der Frage, ob sie Teil dieses Wandels sein will oder eine gut finanzierte Abteilung des Gesundheitsapparates, der schon jetzt vor unseren Augen von seinen Krisen zerfressen wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Impuls erreicht eine politisch wache Theologie und Pflegewissenschaft genauso wie Soziale Arbeit als \u201eGerechtigkeitsdisziplin\u201c, den Wandel hin zu einer solidarischen, sorgenden Gesellschaft entschlossen voranzutreiben, noch st\u00e4rker verbunden mit einer vorrangigen Option f\u00fcr die vulnerablen und \u00fcbersehenen Menschen im Gesundheitssystem, z.B. die Pflegebed\u00fcrftigen und Sterbenden. Angesichts beispielsweise einer weitreichenden \u00d6konomisierung des Gesundheitssektors ist, da stimme ich den beiden Kollegen zu, ein neuer hospizlicher Aufbruch angesagt: \u201eEine Hospizbewegung wird gebraucht, die ihren Austritt aus der Zone des Mehr, Teurer, Zentralisierter, Zertifizierter ins Auge fasst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Arbeit als politische Anw\u00e4ltin f\u00fcr Solidarit\u00e4t statt Systemrelevanz ist in der Tat gefragt. \u201eWir alle (sind) als Akteurinnen zur Solidarit\u00e4t herausgefordert\u201c, hei\u00dft es im Positionspapier der Kollegin Susanne Kiepke-Ziemes u.a., in dem treffend \u201edie Versorgung von sterbenden Personen in Corona-Zeiten \u201eauf den Pr\u00fcfstand\u201c gestellt wird. Und in der Tat: Ein guter Einstieg in eine gesellschaftspolitische Reorientierung k\u00f6nnte die schonungslose Analyse der Geschichten von \u201eSterbebegleitung zu Zeiten der Pandemie\u201c sein. \u201eEin ethisches Desaster\u201c, hat es j\u00fcngst eine Absolventin in ihrer Master-Thesis formuliert. Auf die Frage im Pr\u00fcfungskolloquium, was in ihren Augen den Begriff des ethischen Desasters rechtfertige, antwortete sie, selbst als Sozialarbeiterin in Palliative Care t\u00e4tig: Es seien die Geschichten vom Sterben ohne Angeh\u00f6rige und ohne Begleitung in den harten Phasen des Lockdowns, die ihr bis heute bis in den Schlaf nachgingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich am Ende meines Teils sagen will: Was Corona bewirkt hat und bewirkt, ist die tiefgreifende Sensibilisierung daf\u00fcr, wie kostbar eine palliative Sorgekultur ist, und dass sie alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist, und dass f\u00fcr sie heute und morgen in der Gesellschaft entschlossen gek\u00e4mpft werden muss. Ein Auftrag, allen voran f\u00fcr die Soziale Arbeit!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><u>(5) Radikale Betroffenenorientierung! <\/u><\/em><\/strong><strong><em><u><\/u><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum \u201a<em>radikale Betroffenenorientierung<\/em>\u2018 im transprofessionellen Kontext?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Multiprofessionalit\u00e4t<\/em> reicht in der palliativen Sorgearbeit nicht aus. Warum?<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Multiprofessionalit\u00e4t bedeutet vereinzeltes und nicht abgestimmtes Handeln (\u201eViele K\u00f6che, die den Brei r\u00fchren\u2026und ihn beizeiten verderben\u201c)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Interprofessionalit\u00e4t geht schon weiter:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Verschiedene Professionen bearbeiten den gleichen Fall mit ihren jeweiligen Perspektiven und erstellen eine gemeinsame Handlungssynthese (bei der die je eigenen Perspektiven aber nicht ver\u00e4ndern werden m\u00fcssen)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Transprofessionalit\u00e4t<\/em> geht noch einen kleinen Schritt weiter:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Verschiedene Professionen bearbeiten den gleichen Fall und entwickeln im gemeinsamen Arbeiten neue Perspektiven auf den Fall.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Transprofessionalit\u00e4t verlangt in einer <em>radikalen Betroffenenorientierung<\/em> einen unabdingbaren Perspektivwechsel:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Es geht nicht (mehr) um die m\u00f6glichst weitgehende Verwirklichung der eigenen Autonomie der Profession (eine ohnehin \u00fcberaltertes \u2013 \u201atheorie-abstinentes\u2018, statusorientiertes Professionsverst\u00e4ndnis)<\/li><li>Es geht vielmehr um die Wahrung der Autonomie des Klienten!<ul><li>Die Freiheit der Entscheidung des Klienten gehorcht eben keiner pflegerischen, medizinischen oder sozialarbeiterischer Vernunft.<\/li><\/ul><\/li><li>Die Handlungsweisen aller Professionellen sind im transprofessionellen Kontext auf die subjektive Betroffenheit des Klienten gerichtet.<ul><li>Er hat die Schmerzen\u2026.<\/li><\/ul><\/li><li>Es geht also nicht um die selbstbez\u00fcgliche Erf\u00fcllung irgendeines Mandats\u2026<\/li><li>Vielmehr geht es darum, das eigene Wissen kritisch zu betrachten im Hinblick darauf, wie weit es im konkreten Fall helfen oder nicht mehr kann.<\/li><li>Abwandlung von zwei Zitaten (Simon u. Roth):<ul><li>(Disziplin\u00e4res) \u201eWissen kann lernbehindert machen..\u201c (F.B. Simon)<\/li><\/ul><ul><li>\u201eEs ist erstaunlich, was wir nicht wissen. Noch erstaunlicher ist, was wir (innerhalb unserer eigenen Disziplin) als Wissen bezeichnen.\u201c (P. Roth)<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong><em><u>(6) Verantwortung f\u00fcr Transprofessionalit\u00e4t!<\/u><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Transprofessionalit\u00e4t bedeutet<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"a\"><li>die tempor\u00e4re Aufhebung eigener disziplin\u00e4rer Grenzen<\/li><li>unterschiedliche Professionen bearbeiten den gleichen Fall und generieren dabei ein neues (emergentes) Fallverst\u00e4ndnis und neue Handlungskompetenzen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Das ist hochgradig voraussetzungsvoll!<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Organisatorische Voraussetzungen<\/li><li>Individuelle Voraussetzungen der Akteure<\/li><li>Interpersonale Voraussetzungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Was es demzufolge zu vermeiden gilt, sind professionelle <em>Parallelgesellschaften<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer moderieren oder gar steuern m\u00f6chte, braucht hierzu eine Legitimation der jeweils Anderen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und er\/sie muss kommunikativ anschlussf\u00e4hig sein. D.h.,<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Man muss verstehen, wie die Anderen \u201eticken\u201c<\/li><li>Was ist ihnen wichtig?<\/li><li>Mit welchen Programmen (Methoden) arbeiten sie vorrangig?<\/li><li>Was ist ihr disziplin\u00e4res Grundverst\u00e4ndnis (prim\u00e4re Leitdifferenz)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong><em><u>(7) Anwaltschaft f\u00fcr Solidarit\u00e4t!<\/u><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum geht es nicht ohne Solidarit\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgangspunkt: Das Gerede \u00fcber \u201aSystemrelevanz\u2018 einzelner Berufsgruppen, Professionen in der Pandemie\u2026 (Mertens \/ Borutta)<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Beanspruchung von Systemrelevanz f\u00fchrt weg von der <em>radikalen Betroffenorientierung<\/em><\/li><li>\u2026und es f\u00fchrt weg von einem transprofessionellen Verst\u00e4ndnis in der Arbeit mit Klienten<\/li><li>Die Beanspruchung von Systemrelevanz verweist auf Distinktionsbem\u00fchungen (Abgrenzungsbem\u00fchung), wie sie bereits der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter 1998 in der Analyse der Spaltungen innerhalb der sozialen Berufe herausgearbeitet und beschrieben hat.<\/li><li>Bei der Beanspruchung von Systemrelevanz geht es nicht um die Sorge und das Wohlergehen der anvertrauten Klienten\u2026<\/li><li>\u2026es geht vielmehr um die Sorge um den eigenen Status!<\/li><li>\u2026und um die Angst nicht hinreichend wahrgenommen zu werden.<\/li><li>Die Selbstzuschreibung einer <em>Systemrelevanz<\/em> hebt auf Ungleichheit ab, auf Differenz\u2026<ul><li>\u2026auch dort, wo es existenziell um Solidarit\u00e4t gehen sollte, weil es um existenzielle Fragen und um existenzielle Erfahrungen am Lebensende geht.<\/li><\/ul><\/li><li>Das Pochen auf Systemrelevanz l\u00e4uft einem transprofesionellen Verst\u00e4ndnis zuwider.<ul><li>Solidarit\u00e4t verweist auf Verbundenheit trotz Ungleichheit! (vgl. H.E. Richter; vgl. Rainer Zoll)<\/li><\/ul><\/li><li>Der Zustand der Solidarit\u00e4t sagt viel \u00fcber den Zustand einer Gesellschaft aus\u2026.nicht nur in pandemischen Zeiten.<\/li><li>Die Selbstzuschreibungsbem\u00fchungen (\u201a<em>wie sind systemrelevant<\/em>\u2018) sagen viel \u00fcber den Zustand einer Profession aus.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>\u201aRadikale Betroffenorientierung\u2018 braucht transprofessionelle Solidarit\u00e4t<\/li><li>\u2026braucht die Bereitschaft und Anschlussf\u00e4higkeit zu den Perspektiven anderer beteilitgter Professionen<\/li><li>\u2026und in dieser Anschlussf\u00e4higkeit zu anderen Professionen:<ol><li>Neugier auf diese Perspektiven der Anderen<\/li><\/ol><ol><li>ein gewisses Ma\u00df an Bescheidenheit in Bezug auf die eigenen Perspektiven\u2026<\/li><\/ol><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Denn: \u201eDer Andere k\u00f6nnte Recht haben\u201c (Hans-Georg Gardamer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Impuls von Rainer Krockauer und Manfred Borutta zum 114.Hospizgespr\u00e4ch &#8220;Soziale Arbeit und Palliative Care&#8221; in Aachen. Im ersten Impuls versuchen wir, Manfred Borutta und ich, eine W\u00fcrdigung der transprofessionellen Bedeutung von Sozialer Arbeit in einer palliativen Sorgekultur. Ich beginne zun\u00e4chst (1.-4.), der Kollege wird dann daran anschlie\u00dfen (5.-7.). 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