{"id":1573,"date":"2021-11-17T13:01:49","date_gmt":"2021-11-17T12:01:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1573"},"modified":"2021-11-18T06:49:14","modified_gmt":"2021-11-18T05:49:14","slug":"rueckblick-auf-die-fachtagung-pflege-und-seelsorge-zwei-perspektiven-ein-anliegen-5-6-11-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2021\/11\/17\/rueckblick-auf-die-fachtagung-pflege-und-seelsorge-zwei-perspektiven-ein-anliegen-5-6-11-2021\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf die Fachtagung &#8220;Pflege und Seelsorge: zwei Perspektiven, ein Anliegen?!&#8221; (5.\/6.11.2021)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>W\u00e4hrend der Tagung am 5. und 6. November 2021 stand das Zusammenspiel von Pflege und Seelsorge bei 180 Teilnehmenden im Fokus. Online, wie auch in Pr\u00e4senz in der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) am Standort Paderborn, gab es rege Diskussionen. Alle waren sich einig: Es braucht ein st\u00e4rkeres Miteinander beider Disziplinen und aller Sorge-Akteur_innen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das konkrete Miteinander von Pflege und Seelsorge ist vielfach erst noch zu bestimmen. In einem gemeinsamen dynamischen Prozess tr\u00e4gt es jedoch vielerorts schon jetzt Fr\u00fcchte. Daher richtete sich die Veranstaltung an einen breiten Interessent_innenkreis, der die Vielfalt, wie auch die (produktive) Spannung der Frage des Zusammenspiels repr\u00e4sentiert: Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte von Tr\u00e4gern, aus Einrichtungen, Verb\u00e4nden und (Erz-)Di\u00f6zesen, Interessierte aller beteiligten Berufsgruppen und ihrer Ausbildungsverantwortlichen, Vertreter_innen der Politik sowie von Patient_innenorganisationen und Selbsthilfegruppen, erg\u00e4nzt durch Forschende und Lehrende aus Pflegewissenschaften, Sozialer Arbeit und Theologie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viele Wortbeitr\u00e4ge und emotionale Erfahrungsberichte am ersten Tagungstag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Direkt zu Beginn der Veranstaltung machten Karl-Josef Laumann, Minister f\u00fcr Arbeit, Gesundheit und Soziales (NRW), Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabr\u00fcck) und Pfarrer Ulrich Lilie (Diakonie Deutschland) in ihren Gru\u00dfworten deutlich, dass eine ganzheitliche Sorge um den Menschen unbedingt notwendig sei. Das Pflegepersonal d\u00fcrfe dabei jedoch keineswegs in Vergessenheit geraten. Diejenigen, die Pflege praktizierten, br\u00e4uchten ebenfalls Seelsorge. Ebenso bed\u00fcrfe es die Reflexion der Verkn\u00fcpfung von Seelsorge und Pflege auch im Kontext einer generalistischen Pflegeausbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Rainer Krockauer (katho) skizzierte in seinem Vortrag die Umrisse eines &#8220;Laboratoriums der Kooperation von Pflege und Seelsorge&#8221;. Eckpunkte seien hier: das spirituelle Anliegen von Seelsorge als integrativer Part von Professionalit\u00e4t, die Vernetzung aller Akteure in <em>Caring Communities<\/em> sowie die Kl\u00e4rung der Rollen von haupt- und ehrenamtlich in der Seelsorge T\u00e4tigen in diesem Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlicher Meinung waren Prof.&#8217;in Dr. Katharina Karl (Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt) und Prof. Dr. Michael Isfort (katho) in ihren Beitr\u00e4gen. Zur Sprache kam hier zudem, dass Pflege einen implizit seelsorglichen Aspekt habe, und es gab die dringende Empfehlung, nicht nur den Lohn, sondern auch den Arbeitsumfang der Pflegenden neu zu bemessen. Besonders in der Corona-Pandemie sei allzu deutlich geworden, dass Pflegende oftmals wider das eigene Ethos handeln mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Vortr\u00e4gen war sich das Publikum einig: Notwendige Zeit und notwendiger Raum f\u00fcr Seelsorge sind in der Praxis meist nicht ausreichend vorhanden. Der \u00fcbervolle Arbeitsalltag erm\u00f6gliche nur selten Gespr\u00e4che mit Patient_innen und Kolleg_innen. Hinzu k\u00e4me, dass sich Seelsorge nicht in Zahlen fassen lie\u00dfe und damit in einem \u00f6konomisierten Gesundheitssystem oftmals nur schwer zu rechtfertigen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hochkar\u00e4tig besetzte Plenum erg\u00e4nzte am Ende des ersten Tages die Debatte durch kirchen- und sozialpolitische Perspektiven. Dr. Astrid Giebel (Diakonie Deutschland) betonte die Notwendigkeit einer Seelsorge f\u00fcr die Pflegenden und erinnerte zudem an die Dimension von &#8220;Spiritual Care&#8221;. Dr. Georg Schiffner (Wilhelmsburger Krankenhaus Gro\u00df-Sand) unterstrich seinerseits die Bedeutung von &#8220;Spiritual Care&#8221;, die auf gute Weise die Interreligiosit\u00e4t sichere, zugleich aber auch eine Sprachf\u00e4higkeit der Seelsorgenden wie Pflegenden notwendig mache. Michael Mendelin (Caritasverband f\u00fcr das Erzbistum Paderborn e. V.) warb f\u00fcr die Arbeit der Sozialdienste, betonte aber auch die Notwendigkeit, dass Seelsorge und Pflege zu einem wechselseitigen Vertrauen finden. Christoph Robrecht (Barmherzige Br\u00fcder Trier gGmbH) sah aktuell einen enormen Druck auf die Pflegenden und bef\u00fcrchtet einen &#8220;Pflegxit&#8221;. Sein Wunsch sei es, Mitarbeitende antwortf\u00e4hig in Fragen von Kirche und Glaube zu machen. Domkapitular Msgr. Dr. Michael Bredeck (Erzbistum Paderborn) verwies auf bereits bestehende Fortbildungsangebote im Erzbistum Paderborn. Er unterstrich zudem die dringliche Notwendigkeit, eine <em>Caring Community<\/em> auf allen Sorge-Ebenen bis hinein in die F\u00fchrungsetagen aufzubauen. Der Rektor der katho, Prof. Dr. Hans Hobelsberger, w\u00fcrdigte den aktuellen Stand der Debatte. Auf dem Feld der Praktischen Theologie unterschied er dabei zwischen dem &#8220;Ereignis Seelsorge&#8221; und der Arbeit der f\u00fcr die Seelsorge Zust\u00e4ndigen \u2013 die Hochschule m\u00fcsse auf ihre Weise und mit ihren Mitteln beiden Dimensionen gerecht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweiter Tagungstag im Zeichen der Resonanz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Workshops und Kurzvortr\u00e4gen wurden Praxiserfahrungen und Arbeitsfelder konkret erfahrbar. Themen waren Gespr\u00e4chsbegleitung, Qualifikationsm\u00f6glichkeiten der Pflegekr\u00e4fte f\u00fcr die Seelsorge, Projekte zur Begleitung Kranker in ambulanten Diensten, Hospiz und Krankenhaus, ethische und glaubenstheologische Fragen der Begleitung von Klinik-Patient_innen sowie die Seelsorgliche Begleitung in Einrichtungen der station\u00e4ren Hilfe. Die Workshops waren Orte einer engagierten Debatte, in der sich das hybride Format durch den gro\u00dfen, digitalen Wirkungsradius bew\u00e4hrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Tagungsende standen fachliche Resonanzen, thematische Verdichtungen und Empfehlungen f\u00fcr die Praxis von Seelsorge und Pflege. Prof.&#8217;in Dr. Daniela H\u00e4ndler-Schuster (Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften, Z\u00fcrich) verwies auf die Fragmentierung der Arbeitsfelder in der Pflege und die stetige Individualisierung der Patient_innenschicksale. Zu f\u00f6rdern sei eine Teamkultur, in der alle an der Pflege Beteiligten ihren spezifischen Beitrag b\u00fcndeln. Prof. Dr. Michael Fischer (St. Franziskus-Stiftung M\u00fcnster\/ UMIT Hall, \u00d6sterreich) unterstrich in seinem Statement den hohen Bedarf an Seelsorge in der Pflege. Eine gute Seelsorge sei ein Gesamtpaket mit klaren Rollen f\u00fcr die Akteur_innen&nbsp;\u2013 und mit einer Vielfalt miteinander verbundener, integrierter Konzepte. Prof. Dr. Hans Hobelsberger zog schlussendlich Bilanz und verwies auf M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Hochschule bei all den diskutierten Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Organisiert wurde die Tagung durch das das Transferprojekt &#8220;Versorgungsbr\u00fccken statt Versorgungsl\u00fccken&#8221; und das Innovation-Lab Paderborn, in enger Zusammenarbeit mit den Erzbisch\u00f6flichen Generalvikariaten K\u00f6ln und Paderborn, den Barmherzigen Br\u00fcdern Trier sowie den Di\u00f6zesan-Caritasverb\u00e4nden K\u00f6ln und Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zu den einzelnen Beitr\u00e4gen und dem Tagungsprogramm finden Sie unter <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.pflegeundseelsorge.de\" target=\"_blank\">www.pflegeundseelsorge.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild\/Quelle: Jennifer Jung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der Tagung am 5. und 6. November 2021 stand das Zusammenspiel von Pflege und Seelsorge bei 180 Teilnehmenden im Fokus. Online, wie auch in Pr\u00e4senz in der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) am Standort Paderborn, gab es rege Diskussionen. Alle waren sich einig: Es braucht ein st\u00e4rkeres Miteinander beider Disziplinen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":431,"featured_media":1575,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1573"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/431"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1573"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1573\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1574,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1573\/revisions\/1574"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}