{"id":1566,"date":"2021-11-01T12:32:00","date_gmt":"2021-11-01T11:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1566"},"modified":"2021-11-10T12:38:59","modified_gmt":"2021-11-10T11:38:59","slug":"das-sozialzelt-vom-asta-stupa-der-katho-aachen-sucht-nach-unterstuetzung-in-der-befragung-der-flutopfer-in-stolberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2021\/11\/01\/das-sozialzelt-vom-asta-stupa-der-katho-aachen-sucht-nach-unterstuetzung-in-der-befragung-der-flutopfer-in-stolberg\/","title":{"rendered":"Das Sozialzelt vom AStA\/StuPa der katho-Aachen sucht nach Unterst\u00fctzung in der Befragung der Flutopfer in Stolberg"},"content":{"rendered":"\n<p>Kurz bevor ich es zum Eingang des Sozialzelt am Willy-Brandt-Platz in Stolberg schaffe, sprechen mich zwei Damen an. Eine, f\u00fcr das heutige Wetter recht frisch bekleidete, \u00e4ltere Dame und ihre Tochter, denke ich mir. <em>K\u00f6nnen Sie der Frau helfen? Wir nennen Sie immer Mutti<\/em>, spricht die j\u00fcngere Frau mich an. \u201eMutti\u201c sei zwar nicht ihre Mutter, aber die Sp\u00e4taussiedlerin, sei den Leuten hier ans Herz gewachsen. Verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen man sich ja immer irgendwie. Ich f\u00fchre die beiden zu einer jungen Sozialarbeiterin, die sich sehr einf\u00fchlsam auf sie einstellt und schlie\u00dflich nach Winterfester Jacken f\u00fcr \u201eMutti\u201c auf die Suche macht. Was mit \u201eMutti\u201c wohl vor der Flut war, frage ich mich. Bevor ich den Gedanken verfolgen k\u00f6nnte, geschieht das N\u00e4chste. Viel ist hier los. Man sieht, wie bereits sehr viel aufger\u00e4umt und bearbeitet wurde. Dennoch sieht es weiterhin bedr\u00fcckend und schlicht nach Zerst\u00f6rung aus. Mein Blick trifft auf die angeschlagene Fassade des afrikanischen Restaurants, welches ich kurz vor der Flut noch geplant hatte endlich auszuprobieren. Ein weiteres Personenpaar l\u00e4uft den Sozialarbeitenden entgegen. Diesmal geht es um einen Streit. Ein Staubsauger sei verliehen und nicht zur\u00fcckgegeben worden. Das sei Diebstahl, beschwert sich eine aufgebrachte Frau. Man muss die Situation nicht sehr differenziert lesen, um verstehen zu k\u00f6nnen, dass es weniger um tats\u00e4chlichen Diebstahl, als den \u201eTrigger\u201c Verlust, oder Kontrollverlust geht. Auch hier sind die angehenden Sozialarbeiter*innen direkt pr\u00e4sent, ohne sich aufzudr\u00e4ngen. Sie moderieren, fragen nach L\u00f6sungsw\u00fcnschen und deeskalieren peu \u00e0 peu die Situation. Nach nur 15 Minuten Beobachtung lie\u00dfen sich noch viele andere Szenarien beschreiben. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzum; w\u00e4hrend es in den Nachrichten und Zeitschriften au\u00dferhalb des Lokalteils seit der Flutkatastrophe, u.a. mit den Entwicklungen in Afghanistan und der Bundestagswahl, neben der Corona-Pandemie gef\u00fchlt haupts\u00e4chlich l\u00e4ngst wieder um g\u00e4nzlich andere Themen geht, trifft man hier weiterhin auf nahezu dystopische Zust\u00e4nde. Ich treffe mich mit Oliver St\u00f6ber, der sich eine halbe Stunde Zeit nimmt, um mit mir \u00fcber das Sozialzelt am Willy-Brandt-Platz zu sprechen. Jetzt schon m\u00f6chte ich Sie auf den Aufruf am Ende des hier vorgestellten Gespr\u00e4chsausschnitt aufmerksam machen. <strong>Wenn Sie sich angesprochen f\u00fchlen, melden Sie sich gerne! Wenn Sie diesen Aufruf teilen m\u00f6chten, streuen Sie ihn, in alle Richtungen, die Ihnen sinnvoll erscheinen!\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie ist es zum Engagement von <\/em>AStA\/StuPa <em>gekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Nacht des 15. Juli kam die Flut. Innerhalb der zwei Wochen danach herrschte in Stolberg vor allem Chaos<\/em>, schildert Oliver St\u00f6ber. Die Hilfe f\u00fcr die Betroffenen leisteten neben der Feuerwehr und dem THW, haupts\u00e4chlich Freiwillige. Darunter auch sehr viele Studierende der Sozialen Arbeit. So habe man sich innerhalb dieser zwei Wochen immer wieder untereinander getroffen und mit den weiteren Helfer*innen vor Ort <em>unerm\u00fcdlich, so lange gearbeitet, bis irgendwann die Keller leer waren<\/em>. Im Zuge dessen haben sich die Studierenden der katholischen Hochschule <em>die Menschen der Notfallseelsorge konkret ausgeguckt und angesprochen, um \u00fcber weitere M\u00f6glichkeiten und Notwendigkeiten auszutauschen, <\/em>so Oliver St\u00f6ber. \u00dcber diesen Kontakt ist es schlie\u00dflich dazu gekommen, dass sie, unter der Fahne von AStA\/StuPa der katho, mit im Einsatzbefehl des DRK aufgenommen wurden, um so als multiprofessionell besetzte Teams auf Einsatzwagen durch Stolberg unterwegs zu sein zu k\u00f6nnen. Man wolle mehr in den Blick nehmen, als lediglich die Umsetzung der Spendenverteilung. Es muss mehr in den Blick genommen werden. Darin waren sich alle Helfenden nach den Erlebnissen der ersten zwei Wochen einig. Zusammen mit der der Notfallseelsorge habe man einen tiefergehenden Blick hinzugef\u00fcgt, um Hinweise auf vulnerable Gruppen und besondere Anliegen fr\u00fchzeitig registrieren zu k\u00f6nnen. <em>Diese Phase lief weitere zwei Wochen, ohne dass sie bewusst von der Stadtverwaltung, deren Funktionsf\u00e4higkeit selbst aufgrund der Flut sicherlich auch massiv beeintr\u00e4chtigt war, wahrgenommen w\u00e4re, <\/em>so St\u00f6ber. Parallel zu diesen Entwicklungen formierten sich die Zelte am Willy-Brandt-Platz, wo seither psychosoziale Erstberatungen und Begleitungen bei Antragsverfahren angeboten werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was zeigt sich im Sozialzelt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der angebotenen Einzelfallhilfe und psychosozialen Anlaufstelle ging es in den ersten Tagen vor allem um Antr\u00e4ge f\u00fcr Soforthilfeleistungen sowie eine Anlaufstelle inmitten der Unruhe, Unsicherheit und teils traumatischen Erfahrungen. Zu Beginn waren es kleine Hilfen, in Form von Handgeld der Stadt, die beantragt werden konnten. Sp\u00e4ter waren dann gr\u00f6\u00dferen Hilfen m\u00f6glich, durch Landes- und Spendenmittel. Knapp 150 dieser gr\u00f6\u00dferen Antr\u00e4ge habe man geholfen zu stellen. Schnell wurde den Helfer*innen deutlich,<em> dass es die Menschen, denen man im ehrenamtlichen Sozialzelt zur Seite steht, von alleine nicht geschafft h\u00e4tten, sich ihr Recht auf diese Antragsstellungen zu erwirken, <\/em>konstatiert Oliver St\u00f6ber. Weiterhin seien kaum offizielle Angebote vor Ort erkenntlich, die niedrigschwellig, aufsuchend oder gut erreichbar sind. Im Sozialzelt zeige sich recht bedr\u00fcckend die erschwerten Zug\u00e4nge unterschiedlicher vulnerabler Gruppen. Holzschnittartig k\u00f6nnen hier besonders Armut, Alter und Ausl\u00e4nderstatus hervorgehoben werden.<em> Immer noch schlagen hier Menschen auf, die alles verloren haben und die nix dar\u00fcber wissen, wie sie an Hilfe kommen k\u00f6nnten. Hier sind so viele Menschen, die sich schlicht nicht alleine helfen k\u00f6nnen. Immer noch hat die hier kaum jemand im Blick und die sind nicht in der Lage, ihre Situation und Bed\u00fcrfnisse lautstark zu \u00e4u\u00dfern<\/em>. Dies trage bisher das zivilgesellschaftliche Engagement der vielen Stolberger*innen und Ehrenamtlichen. Dadurch entwickelte sich sukzessiv die zweite S\u00e4ule des Sozialzelts, aktiv dabei zu helfen, ein selbstgest\u00fctztes Community Organizing zu empowern. Nach der Notfallhilfe in den ersten Stunden und Tagen der Katastrophe, \u00fcber die Einzelfallhilfe, in psychosozialer Erstberatung, Weitervermittlung und Hilfestellungen bei Antragsverfahren, formieren sich die Hilfen am Willy-Brandt-Platz aktuell dahingehend, die Nachbarschaften der sogenannten \u201eTalachse Stolberg Innenstadt\u201c dazu zu bef\u00e4higen, selbst das Community Organizing in die Hand zu nehmen. <em>Wir helfen momentan Runden zu organisieren, wo sich die Menschen zusammenfinden und dann zuk\u00fcnftig m\u00f6glichst selbstgesteuert, um ihre Angelegenheiten organisieren und als sozialr\u00e4umliche und weitesten Sinne selbst als politische Akteure agieren k\u00f6nnen<\/em>, so Oliver St\u00f6ber. Ein Leitthema hierf\u00fcr ist das ohnehin vor der Flut geplante B\u00fcrgerzentrum, in dessen Entstehung die Akteure des Sozialzelts nun miteinbezogen werden. Zun\u00e4chst jedoch steht die Aufgabe an, die provisorischen Zelten in daf\u00fcr anzuschaffenden Container zu verstetigen und das Angebot wintertauglich werden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>N\u00e4chster Schritt: Hochwasserbefragung inklusive(!) Notfallmanagement<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste wichtige Schritt ist die bereits laufende \u201eHochwasserbefragung\u201c. Die Stadt Stolberg f\u00fchrt mit AStA\/StuPa der katho- NRW gemeinsam eine Umfrage in der Stolberger Innenstadt, entlang der Talachse durch. Ziel ist es, den Hilfebedarf der Menschen festzustellen, die von der Flutkatastrophe betroffen sind, um ad\u00e4quate Unterst\u00fctzung organisieren und leisten zu k\u00f6nnen (<a href=\"https:\/\/katho-nrw.de\/fileadmin\/media\/News-Bilder\/Abteilung_Aachen\/September_-_Dezeber_2021\/Hochwasser-Befragung__1_.pdf\">Link zu n\u00e4heren Informationen<\/a>). Auch hier wird es nicht nur um den Wiederaufbau der betroffenen und zerst\u00f6rten H\u00e4user und eine Existenzsicherung gehen. Die Ergebnisse der Befragung, welche ma\u00dfgeblich von den Akteur_innen des Sozialzelts mit konzipiert wurde, werden genutzt, um mit einem weiter gefassten und tiefergehenden Blick f\u00fcr notwendige Hilfsangebote f\u00fcr die B\u00fcrger*innen zu \u00f6ffnen, woran folgende Intervention anschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Notf\u00e4lle, also Haushalte ohne Strom, Heizung usw., werden \u00fcber den Online-Fragebogen automatisiert und tagesaktuell an die Stadt \u00fcbermittelt, damit diese in der Gefahrenabwehr aktiv werden kann. T\u00e4glich erfolgt ebenso die Auswertung der Papierfrageb\u00f6gen, die an den drei extra daf\u00fcr vorgesehenen Briefk\u00e4sten im Innenstadtgebiet (Standorte: https:\/\/psnv.sozialarbeiten.de\/befragung\/ablauf\/) eingeworfen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmal konkreter: Die Befragung ist keine Meinungsforschung, sondern eine sozialarbeitsfundierte, forschende Intervention und macht diese Aktion zum zentralen Angebot der Stadt, \u00fcber die die Menschen aus ihrer Not geholt werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein ambitioniertes, kluges und beispielhaftes Vorgehen der angehenden Sozialarbeiter*innen, mit Kopf, Herz und Hand. Dabei k\u00f6nnen Sie, die Sie mitlesen und sich vielleicht angesprochen f\u00fchlen, mithelfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Knapp 4.000 Haushalte mit ungef\u00e4hr 10.000 Menschen werden mit dem Fragebogen ab jetzt aufgesucht. Daf\u00fcr werden Hilfskr\u00e4fte gesucht. Es ist keine Vorerfahrung notwendig. T\u00e4glich findet eine kleine Einweisung um 16:00 Uhr und 18:00 Uhr am Sozialzelt statt. Danach kann prinzipiell jede Person dabei helfen, diese Umfrage durchzuf\u00fchren und m\u00f6glichst viele der im Text geschilderten Personen zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessierte k\u00f6nnen sich, ganz formlos, an folgende E-Mail Adresse melden:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:Psnv-asta.aachen@katho-nrw.de\">Psnv-asta.aachen@katho-nrw.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild: Privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz bevor ich es zum Eingang des Sozialzelt am Willy-Brandt-Platz in Stolberg schaffe, sprechen mich zwei Damen an. Eine, f\u00fcr das heutige Wetter recht frisch bekleidete, \u00e4ltere Dame und ihre Tochter, denke ich mir. K\u00f6nnen Sie der Frau helfen? 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