{"id":1304,"date":"2021-05-06T13:58:02","date_gmt":"2021-05-06T11:58:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1304"},"modified":"2021-05-06T13:58:03","modified_gmt":"2021-05-06T11:58:03","slug":"retrospektiv-corona-haben-wir-an-alle-gedacht-ein-erfahrungsbericht-zu-hilfen-im-haeuslichen-umfeld-oder-ambulanten-und-stationaeren-angeboten-der-alten-pflege-zu-zeite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2021\/05\/06\/retrospektiv-corona-haben-wir-an-alle-gedacht-ein-erfahrungsbericht-zu-hilfen-im-haeuslichen-umfeld-oder-ambulanten-und-stationaeren-angeboten-der-alten-pflege-zu-zeite\/","title":{"rendered":"\u201eRetrospektiv Corona. Haben wir an alle gedacht?\u201c \u2013 Ein Erfahrungsbericht zu Hilfen im h\u00e4uslichen Umfeld oder ambulanten und station\u00e4ren Angeboten der (Alten-)Pflege zu Zeiten der Corona-Pandemie"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Claudia Stockmann<\/strong>, ex. Gesundheits- und Krankenpflegerin, Dipl. Sozialarbeiterin, t\u00e4tig in der Senior*innen- und Pflegeberatung des Caritasverbandes Meschede e.V., unter anderem auch verantwortlich f\u00fcr die Mieter*innen der Service-Wohnungen des Caritasverbandes,<\/p>\n\n\n\n<p>und<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann<\/strong>, Sozialfachlicher Vorstand sowie Vorstandsvorsitzender des Nachbar-Caritasverbands Arnsberg-Sundern e.V., berichten im folgenden Interview aus erster Hand von Ihren beruflichen und pers\u00f6nlichen Erfahrungen in ambulanten und station\u00e4ren Settings der (Alten-)Pflege zu Pandemie-Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:25px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ver\u00e4nderungen erleben Sie seit Pandemiebeginn in den&nbsp;ambulanten und station\u00e4ren Angeboten&nbsp;f\u00fcr&nbsp;unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftige&nbsp;alte Menschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann: <\/strong>Von jetzt auf gleich war im M\u00e4rz mit der Corona-Pandemie auf einmal alles anders. Zu Recht hat unsere Bundeskanzlerin im Fr\u00fchjahr 2020 gesagt, es st\u00fcnde uns die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung nach dem zweiten Weltkrieg bevor. Ging es zu Beginn im Fr\u00fchjahr erst mal um Existenzsicherung und Schutz der Einrichtungen und Dienste (Beschaffung von Schutzausstattung, Hochziehen von pandemischen Hygienekonzepten in den Einrichtungen und vieles andere mehr&#8230;), standen wir als Caritas dann aber vor der gro\u00dfen Herausforderung \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit eine menschenorientierte Arbeit im Rahmen der Pandemie sicherzustellen, die gerade von der zwischenmenschlichen Begegnung lebt und diese braucht. Auf einmal musste alles auf Abstand gestaltet werden (\u201eSocial Distancing\u201c bzw. soweit m\u00f6glich physische Distanz). Gerade in den sozialen und pflegerischen Berufen eine riesengro\u00dfe Herausforderung. Deshalb haben sich manche Tr\u00e4ger und Einrichtungen auch dazu entschieden, bis heute noch viele pers\u00f6nliche Kontakte nicht zu erlauben (Stichwort Isolation). Ich bin sehr froh dar\u00fcber, dass wir im Verband soweit erdenklich machbar die Kontakte der Menschen untereinander trotz der Herausforderung und Corona-konform sichergestellt haben und wir uns nicht isoliert haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Claudia Stockmann: <\/strong>Das sofortige Herunterfahren aller sozialen Kontakte war insbesondere f\u00fcr die alleinlebenden \u00e4lteren Menschen ein schwieriger Lebenseinschnitt, ganz besonders bei den oft alleinlebenden \u00c4lteren mit eingeschr\u00e4nkter Gesundheit oder Mobilit\u00e4t. Eine Dame (90 Jahre) sagt dann auch \u00fcber die Pandemie und den Lockdown, dass dies ihre \u201eLebenszeit rauben\u201c w\u00fcrde, von der sie nicht mehr so viel habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Senior*innen im ambulanten Bereich sind auf einen Schlag komplett aller pers\u00f6nlichen Kontaktm\u00f6glichkeiten beschnitten worden. Angeh\u00f6rige sind nur noch bis vor die T\u00fcr gekommen, um Eink\u00e4ufe zu \u00fcbergeben, es gab keine Begegnungen mehr durch selbstst\u00e4ndiges Einkaufen oder auf dem Weg in die Stadt etc. Dies war eine extrem belastende Situation. Es gab und gibt bis heute keine gemeinschaftlichen Angebote. Vielen blieb und bleibt als einzige M\u00f6glichkeit das Telefon. Im Sommer konnten kleine Treffen im Freien stattfinden, der Winter war dann aber eine sehr problematische Zeit. Vorsichtige Treffen zu zweit z.B. zum Spaziergang finden jetzt sorgf\u00e4ltig \u00fcberlegt teilweise wieder statt. Bei einigen hat die Pandemie aufgrund der psychischen Belastungen aber zu deutlichen Verschlechterungen der gesundheitlichen Situation gef\u00fchrt. Je l\u00e4nger wir mit der Pandemie zu k\u00e4mpfen haben, um so schwerwiegender werden die Folge dieser Einsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo haben sich Versorgungsl\u00fccken ergeben bzw. vergr\u00f6\u00dfert? Bzw. inwiefern erleben Sie auch Versorgungsbr\u00fccken, die durch die (Folgen der) Pandemie gest\u00e4rkt wurden oder gar erst entstanden sind?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Claudia Stockmann: <\/strong>Lokale Initiativen haben sich insbesondere der Menschen angenommen, die keine Unterst\u00fctzung durch Angeh\u00f6rige, Pflegedienste etc. hatten. Dabei sind aber bei weitem sicherlich nicht alle Hilfebedarfe \u201eentdeckt\u201c worden. Da, wo sich Hilfesuchende ohne pers\u00f6nliches Hilfenetz bemerkbar machten, konnten zumindest kleine Hilfestellungen organisiert werden. Nach meiner Einsch\u00e4tzung waren aber sicherlich auch einige der \u00e4lteren und hilfebed\u00fcrftigen Menschen in dieser Zeit ohne Kontakt und ohne gro\u00dfe Hilfe und mussten irgendwie zurechtkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Zeiten mit etwas moderateren Inzidenzzahlen w\u00e4ren Corona-konforme Treffen unter Einhaltung der Hygieneregeln denkbar und erlaubt gewesen, es fehlte daf\u00fcr jedoch an geeigneten Fl\u00e4chen, R\u00e4umen oder M\u00f6glichkeiten. &nbsp;Gemeindeh\u00e4user etc. waren geschlossen oder es fehlten barrierearme Zug\u00e4nge. Die Senior*innen \u00e4u\u00dferten bei jedem Kontakt, dass sie sich wieder mehr pers\u00f6nliche Kontakte und mehr Gemeinsamkeiten w\u00fcnschen.&nbsp; Um den Kontakt zu halten und auch untereinander die Bindungen nicht zu sehr zu schw\u00e4chen habe ich mit ehrenamtlicher Unterst\u00fctzung und immer im Rahmen der gerade geltenden Rahmenbedingungen den \u201eFlurfunk\u201c eingef\u00fchrt: Ich habe an allen T\u00fcren (max. 4) auf einem Flur geklingelt, f\u00fcr ein gemeinsames, wenn auch kurzes Gespr\u00e4ch auf dem Flur mit Abstand und Maske. Auch zu Ostern mit kleiner \u00dcberraschung f\u00fcr die Senior*innen. Die pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che haben dazu beigetragen, dass ich die pers\u00f6nlichen Situationen und Umst\u00e4nde besser einsch\u00e4tzen und entsprechend darauf reagieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann: <\/strong>Im Unterschied zur (politisch formulierten) \u00f6ffentlichen Wahrnehmung sind die gro\u00dfen Versorgungsl\u00fccken im Vergleich gerade nicht in den station\u00e4ren Einrichtungen entstanden. Klar war vieles auf einmal anders und schwieriger und nicht mehr so, wie wir alle es gewohnt waren. Viel hat darunter auch leiden m\u00fcssen. Begegnungen konnten auch nicht mehr wie gewohnt in der Intensit\u00e4t oder H\u00e4ufigkeit stattfinden, wurden reduziert bzw. anders als sonst erm\u00f6glicht. Aber viel dramatischer ist die Situation der vielen \u00e4lteren Menschen gewesen, die alleine zu Hause gelebt haben. Einige sicherlich mit einer immer noch guten ambulanten pflegerischen Versorgung. Aber viele auch ohne all dies. Die wenigsten Familien leben ja in einem Mehrgenerationenhaus, wo famili\u00e4re Hilfe vorhanden ist. Aufgrund beruflicher Ver\u00e4nderungen sind auch viele Angeh\u00f6rige weggezogen oder auch nicht mehr so flexibel. Wer hat sich konkret um diese alleinstehenden \u00e4lteren Menschen gek\u00fcmmert? Auch die Kirchengemeinden und die pastoralen Mitarbeiter*innen waren nicht mehr so pr\u00e4sent. Gottseidank entstanden einige soziale Initiativen, die sich k\u00fcmmerten, und auch manche Nachbarschaftshilfe war eine wichtige Unterst\u00fctzung. Aber von der \u00d6ffentlichkeit, von der Politik, wurden genau diese \u00e4lteren, zu Hause lebenden Menschen oft nicht wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Unterschiede gibt es Ihrer Erfahrung nach diesbez\u00fcglich zwischen h\u00e4uslichem Umfeld oder&nbsp;ambulanten und station\u00e4ren Angeboten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Claudia Stockmann: <\/strong>In einer Pflegeeinrichtung haben Menschen t\u00e4glich andere Menschen um sich herum und es ergeben sich pers\u00f6nliche Kontakte. Dies ist bei Menschen in ihrem h\u00e4uslichen Umfeld ganz anders. Je nach Konstellation kann es sein, dass Menschen so gut wie gar keine Kontakte mehr haben, zumal wenn sie immobil sind und auf Hilfe angewiesen. Dann spielt die Sorge um die eigene Versorgung, die Begrenztheit der eigenen M\u00f6glichkeiten, \u00c4ngste vor Versorgungsengp\u00e4ssen oder auch daraus resultierende Einsamkeit eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Herausforderung war zudem auch die Vermittlung der Hygiene und Abstandsregeln. Nicht alle konnten diese sofort anwenden und umsetzen. Ein Mieter hatte beim \u201eFlurfunk\u201c dann seine Maske um 90\u00b0 gedreht auch \u00fcber den Augen aufgesetzt und war der Verzweiflung nahe. Deshalb mussten die Regeln zun\u00e4chst gut und einfach erkl\u00e4rt und teilweise auch ge\u00fcbt werden: Wie muss eine Maske richtig aufgesetzt werden, wo fasse ich sie an und wo kommen die Gummib\u00e4nder hin?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr unsere Mieter*innen in den Seniorenwohnungen sind des Weiteren gerade der gemeinsame Mittagstisch im Seniorenzentrum, der Mieterstammtisch, gemeinsames Kaffeetrinken sowie unsere Gruppengespr\u00e4che und alles, was das Leben in einem Haus mit Servicewohnungen attraktiv macht, entfallen. Und da es noch immer nicht absehbar ist, wann sich die Situation wieder verbessert, macht sich teilweise auch ein wenig Resignation breit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann: <\/strong>\u00d6ffentlich und politisch gab es einen klar fokussierten Blick gerade auf die station\u00e4ren Einrichtungen, und sp\u00e4ter auch auf die ambulante Versorgung. Dar\u00fcber sind die vielen \u00e4lteren Menschen zu Hause in ihren Wohnungen leider politisch in Vergessenheit geraten.\u00a0 Die \u00e4lteren Personen, die durch unsere ambulante Pflege versorgt wurden, hatten dar\u00fcber noch Kontakt, Unterst\u00fctzung und erg\u00e4nzende Hilfeleistungen. Wir haben uns da immer wieder einbringen k\u00f6nnen. Aber die vielen Menschen,\u00a0 die zum Beispiel gar keine pflegerische Versorgung oder Begleitung hatten, standen auf einmal sehr alleine da.\u00a0Da f\u00e4llt mir pers\u00f6nlich in der Familie auch meine eigene Mutter ein. Alleinstehend und alles, was sie gehabt hatte, war auf einmal nicht mehr m\u00f6glich. Ich &#8211; im Sauerland, sie &#8211; im Ruhrgebiet. In aller Eile haben wir sie \u201etechnisch fit gemacht\u201c, mit Smartphone, Threema und Skype ausgestattet, so dass wir t\u00e4glich miteinander im Kontakt sein k\u00f6nnen. Aber auch das geht nicht in allen F\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr hat sich auch die verfasste Kirche aus meiner Sicht schon sehr radikal aus der \u00d6ffentlichkeit \u201ezur\u00fcckgezogen\u201c. Und damit meine ich nicht nur die Gottesdienste, sondern auch die pastorale Arbeit in der Gemeinde. Die Kirchengemeinden &nbsp;wurden dann auch schnell aufgefordert die Gemeindeh\u00e4user zu schlie\u00dfen (Lockdown). Das hatte vor Ort auch Auswirkungen auf unsere Caritas-Arbeit, da wir sehr eng mit der Pastoral zusammenarbeiten und auch R\u00e4umlichkeiten in den Gemeindeh\u00e4usern nutzen, gerade auch f\u00fcr die caritativen Hilfen und Angebote. In unserem Verband bestand auf einmal die gro\u00dfe Sorge, dass mit Schlie\u00dfen der Gemeindeh\u00e4user auch Angebote des Caritasverbandes f\u00fcr die Menschen in unserer Stadt nicht mehr erreichbar sein und wir keine Hilfe und gerade in dieser Corona-Krise keine Unterst\u00fctzung mehr anbieten k\u00f6nnten. Es ist uns aber mit gro\u00dfer Anstrengung gelungen, unter Corona-gerechten Hygienevorgaben weiterhin f\u00fcr die hilfesuchenden Menschen ansprechbar und erreichbar zu sein, z.B. durch das Gespr\u00e4ch am Telefon bzw. durch das ge\u00f6ffnete Fenster oder das \u00dcberreichen von Mittagessen durch die T\u00fcr sowie das Gespr\u00e4ch auf dem Kirchhof vor der Einrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie stehen Sie zur in&nbsp;den&nbsp;Medien oft eher negativ konnotierten Darstellung der Situation in der (Alten-)Pflege&nbsp;w\u00e4hrend der Pandemie? Gibt es hier wiederum Diskrepanzen zwischen&nbsp;diesen beiden Sektoren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann:<\/strong> In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung, aber auch in den politischen Diskussionen auch von ministeriellen Vertreter*innen ist immer wieder \u00fcber die schwierige Situation und das Leben der \u00e4lteren Menschen in station\u00e4ren Pflegeeinrichtungen gesprochen worden. Ja es stimmt, es ist eine sehr herausfordernde Zeit. F\u00fcr die Menschen in den Einrichtungen, f\u00fcr deren Angeh\u00f6rige, aber auch f\u00fcr die Kolleg*innen. Aber so, wie auch unser Ministerpr\u00e4sident und Gesundheitsminister es manchmal formuliert haben, h\u00f6rte es sich teils so an, als wenn die Seniorenh\u00e4user &#8211; sorry, ich muss es jetzt mal sagen &#8211; wie \u201egeschlossene Justizvollzugsanstalten\u201c gewesen w\u00e4ren. Damit ist in der \u00d6ffentlichkeit, vielleicht nicht bewusst, aber dennoch ein falsches Bild gezeichnet worden, zumindest wurde aus meiner Sicht zu Unrecht zu sehr pauschalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krankenh\u00e4user m\u00f6gen sich vielleicht hinter ihren T\u00fcren verschlossen und den Kontakt zu den Angeh\u00f6rigen deutlich reduziert haben. Aber die Einrichtungen in der Altenhilfe haben sich richtig \u201ekrummgelegt\u201c, um so viel wie m\u00f6glich an Kontakten sicherzustellen. F\u00fcr dieses Engagement kann ich nur sagen, Hut ab! Mit gro\u00dfer Kraftanstrengung waren unsere Einrichtungen und die Kolleg*innen da dran. Da war die Tinte noch nicht trocken auf der Verordnung der Landesregierung, da haben wir im Sinne der Menschen so viel wie m\u00f6glich und mit dem gr\u00f6\u00dften Schutz vor einer Infektion sichergestellt: Das \u201eFensterln\u201c, Gespr\u00e4che \u00fcber den Balkon, im Garten, Chatten, Aktivit\u00e4ten vor dem Haus u.v.m. Gro\u00dfe Freude war zu sp\u00fcren durch die zahlreichen Aktionen, die erm\u00f6glicht wurden. Musikgruppen, Kinderg\u00e4rten und Schulen haben sich etwas einfallen lassen und die Menschen in den Senioreneinrichtungen begeistert. Auch unsere Kontaktclowns haben sich eingebracht und tolle Programme vor der Einrichtung aufgef\u00fchrt. Auch wenn es in einer Einrichtung keine wohngruppen\u00fcbergreifenden Angebote gab, hat z.B. sehr viel in den einzelnen Wohngruppen stattgefunden, auch der Wortgottesdienst &#8211; zwar nicht in der Kapelle, aber nah am Menschen in der Wohngruppe\u00a0(siehe z.B. auch den Car-Lichtblicke Impuls von Dagmar Freimuth und Beatrix Fuchs vom 26.04.21).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Claudia Stockmann: <\/strong>Die Pandemie hat eine steigende Belastung f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige und pflegebed\u00fcrftige Menschen bewirkt, da das Versorgungssystem teilweise nur ausged\u00fcnnt zur Verf\u00fcgung stand oder aus Sorge vor Ansteckung nicht mehr im gewohnten Umfang in Anspruch genommen wurde\/wird. H\u00e4ufig schwingt bei der Inanspruchnahme auch unabdingbarer Hilfen immer auch die Angst vor der Ansteckung mit. Deshalb wurden auch bei ambulanten Pflegediensten insbesondere am Beginn der Pandemie viele Versorgungsangebote reduziert oder auch abgesagt. Zum Teil war das auch dem geschuldet, dass Pflegekr\u00e4fte selber erkrankt waren oder als erste Kontaktperson in Quarant\u00e4ne mussten und nicht mehr arbeiten konnten. Die Tagepflege als gutes Entlastungsangebot wird teilweise immer noch zur\u00fcckhaltend in Anspruch genommen, zumal dort zu Beginn der Pandemie zun\u00e4chst nur eine Notversorgung vorgehalten wurde. Diese Auswirkungen und die Themen Einsamkeit und fehlende Kontakte waren nicht im Blickfeld der politisch Verantwortlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche sind momentan Ihre pers\u00f6nlichen Care-Lichtblicke?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Claudia Stockmann: <\/strong>Der gro\u00dfe Lichtblick ist die Impfung. Die Mieter*innen in den Seniorenwohnungen sind schon seit einiger Zeit komplett geimpft. Auch die Patient*innen der Sozialstation und der Tagespflegen sind zunehmend geimpft und f\u00fchlen sich damit auch sicherer, wieder die professionellen Angebote anzunehmen. Der gr\u00f6\u00dfte und immer wieder ge\u00e4u\u00dferte Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe ist aber zurzeit trotz Impfung noch nicht m\u00f6glich. Sofern aber die Witterung es zul\u00e4sst und die Pandemie durch die Impfungen weiter zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wird, werden sich Senior*innen sicherlich wieder mehr auch au\u00dferhalb ihrer Wohnung aufhalten und hoffentlich unter Einhaltung der geltenden Regelungen auch wieder mehr Kontakte haben, was zu einer deutlichen Verbesserung des pers\u00f6nlichen Wohlbefindens f\u00fchren kann. Das l\u00e4sst als heller Lichtblick wieder etwas mehr Hoffnung und Optimismus zu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christian Stockmann:<\/strong> Mein gro\u00dfer Lichtblick in dem Corona-Jahr ist, wie sehr wir in den Einrichtungen und Diensten, die Kolleg*innen, mit den Bewohner*innen und Patient*innen und deren Angeh\u00f6rigen eng zusammengearbeitet haben und dass sich an vielen Stellen Menschen in der Gesellschaft auch solidarisch engagiert gezeigt haben. Ich w\u00fcnsche mir aber daraus abgeleitet noch einen Lichtblick bei den politisch Verantwortlichen: Die politische Erkenntnis, dass es so wie bisher gesellschaftlich nicht weitergehen kann. Die \u00d6konomisierung im Sozial- und Gesundheitsbereich \u00fcber die vielen Jahre hat auch einen wesentlichen Anteil daran, dass wir in der Pandemie so gro\u00dfe Schwierigkeiten hatten und auch deswegen Menschenleben verloren haben. Diesen Lichtblick und diese Erkenntnis w\u00fcnsche ich mir!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild\/Quelle: Claudia und Christian Stockmann (privat)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Stockmann, ex. Gesundheits- und Krankenpflegerin, Dipl. Sozialarbeiterin, t\u00e4tig in der Senior*innen- und Pflegeberatung des Caritasverbandes Meschede e.V., unter anderem auch verantwortlich f\u00fcr die Mieter*innen der Service-Wohnungen des Caritasverbandes, und Christian Stockmann, Sozialfachlicher Vorstand sowie Vorstandsvorsitzender des Nachbar-Caritasverbands Arnsberg-Sundern e.V., berichten im folgenden Interview aus erster Hand von Ihren beruflichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":425,"featured_media":1307,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1304"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/425"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1304"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1304\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1313,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1304\/revisions\/1313"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1304"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}