{"id":1277,"date":"2021-04-29T05:55:00","date_gmt":"2021-04-29T03:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1277"},"modified":"2021-04-27T20:33:11","modified_gmt":"2021-04-27T18:33:11","slug":"ueber-leben-zehn-jahre-an-der-seite-des-pflegebeduerftigen-ehemannes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2021\/04\/29\/ueber-leben-zehn-jahre-an-der-seite-des-pflegebeduerftigen-ehemannes\/","title":{"rendered":"\u00dcber Leben &#8211; Zehn Jahre an der Seite des pflegebed\u00fcrftigen Ehemannes"},"content":{"rendered":"\n<p>Woher nimmt ein Mensch die Kraft, einen pflegebed\u00fcrftigen Angeh\u00f6rigen \u00fcber Jahre hinweg zuhause w\u00fcrdig versorgen zu k\u00f6nnen und dabei f\u00fcr sich selbst nicht verloren zu gehen? Wo k\u00f6nnen die eigenen Kraftquellen liegen? Diese und damit verbundene Fragen stellt die Journalistin und Autorin Gabriele von Arnim in ihrem pers\u00f6nlichen und tiefgr\u00fcndigen Buch Leben ist ein vor\u00fcbergehender Zustand, das von zehn wechselvollen Jahren an der Seite ihres schwerkranken Mannes erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bew\u00e4ltigung dieses Lebens und des ersch\u00f6pfenden Alltags mit ganz unterschiedlichen, gravierenden Herausforderungen an sie und ihren von zwei Schlaganf\u00e4llen schwer gezeichneten Gatten erweist sich als existentieller Balanceakt zwischen F\u00fcrsorge und Selbstsorge. Beides erfordert gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Achtsamkeit f\u00fcr das rechte Ma\u00df &#8211; wessen bedarf der Kranke, was braucht man selbst &#8211; sowie Energie und Zuversicht, den t\u00e4glichen Herausforderungen begegnen zu k\u00f6nnen. \u201eKraft holt man sich auch daraus, anderen Kraft zu geben. In anderen Worten: gebraucht zu werden, helfen zu k\u00f6nnen. Kraft holt man sich aus den Menschen, die einem nah sind. Und \u00fcberfordert sie, wenn man nicht aufpasst, wenn man sich nicht selber aufl\u00e4dt in geklauter Zeit. Dann sitzt man am Abend in einem Restaurant an einem sch\u00f6nen Platz, bestellt sich einen Gr\u00fcnen Veltliner, raucht eine Zigarette, isst einen Flammkuchen und verbindet sich mit der lauen Luft. In der er nicht ist. Man denkt an sich und nicht an ihn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach Kraftquellen &#8211; f\u00fcr sich und auch f\u00fcr ihn &#8211; macht in diesem Buch ein zentrales Thema aus, gerade weil es trotz besseren Wissens nur selten gelingt, \u201edie innere Freiheit zu leben, w\u00e4hrend die \u00e4u\u00dfere Freiheit schrumpfte. Ein hehres Ziel. Oft notiert. Und selten erreicht. Dem Lauern der Lebensverheerung, den Zumutungen des Alltags bin ich immer wieder kleinm\u00fctig erlegen.\u201c Dennoch beleuchtet das Buch auch unterschiedliche M\u00f6glichkeiten, eigene Ressourcen immer wieder neu zu erschlie\u00dfen, nicht zuletzt durch einfache, elementare T\u00e4tigkeiten wie z.B. achtsames Kochen, gemeinsames Essen mit Freunden oder bewusst gestaltetes Wohnen und Zuhause-Sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Derartige Kraftquellen k\u00f6nnen zu Quellen des Trostes werden. Allen voran z\u00e4hlt dazu auch die Literatur bzw. das Lesen und Vorlesen, was beiden Seiten Kraft schenkt. Im Lauf der Zeit bildet sich ein Kreis von \u201eVorlesern\u201c, die dem Schwerkranken kontinuierlich aus Publikationen und B\u00fcchern vorlesen und so mit ihrer Anwesenheit und Stimme ein breites Spektrum von Geschichten weitergeben. \u201eWir brauchen Geschichten, um zu leben\u201c, zitiert von Arnim indirekt die gro\u00dfartige amerikanische Autorin Joan Didion, die in ihrem Erinnerungsbuch Das Jahr magischen Denkens (2005) von dem pl\u00f6tzlichen Tod ihres Mannes und der lebensbedrohlichen Krankheit ihrer Tochter erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass B\u00fccher Kraft und Orientierung geben k\u00f6nnen, weil sie einen Schatz von Erfahrungswissen und Weisheit bergen k\u00f6nnen, zeigt im doppelten Sinn Gabriele von Arnim Buchs. Nicht nur die Autorin profitiert von ihrer Lekt\u00fcre, die sie durch Zitate reflektierend in ihre Erz\u00e4hlung einbaut, sondern auch diejenigen, die ihr kluges und ehrliches Buch lesen. Indem es das Ringen um Kraft zwischen Gelingen und punktuellem Scheitern schildert, gibt es zugleich Zeugnis innerer St\u00e4rke, gem\u00e4\u00df jenes Spruches Rudolf Steiners, der nach eigenem Bekunden den Schreibtisch der Autorin zierte: \u201eIch trage Ruhe in mir, \/ Ich trage in mir selbst \/ Die Kr\u00e4fte, die mich st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Literaturangabe:<br>Gabriele von Arnim, Das Leben ist ein vor\u00fcbergehender Zustand. Hamburg 2021<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild\/Quelle: <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/ioNNsLBO8hE\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/ioNNsLBO8hE\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nick Fewings<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Unsplash<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woher nimmt ein Mensch die Kraft, einen pflegebed\u00fcrftigen Angeh\u00f6rigen \u00fcber Jahre hinweg zuhause w\u00fcrdig versorgen zu k\u00f6nnen und dabei f\u00fcr sich selbst nicht verloren zu gehen? Wo k\u00f6nnen die eigenen Kraftquellen liegen? 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