{"id":1117,"date":"2021-02-18T05:32:00","date_gmt":"2021-02-18T04:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/?p=1117"},"modified":"2021-02-16T11:15:05","modified_gmt":"2021-02-16T10:15:05","slug":"nicht-jede_r-held_in-traegt-ein-cape-manch-eine_r-traegt-ein-kind-auf-dem-arm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/2021\/02\/18\/nicht-jede_r-held_in-traegt-ein-cape-manch-eine_r-traegt-ein-kind-auf-dem-arm\/","title":{"rendered":"Nicht jede_r Held_in tr\u00e4gt ein Cape \u2013 manch eine_r tr\u00e4gt ein Kind auf dem Arm"},"content":{"rendered":"\n<p>Die zweite Phase des seit Ende vergangenen Jahres andauernden \u201eeingeschr\u00e4nkten Pandemiebetriebs\u201c der Kindertagesst\u00e4tten und Kinderg\u00e4rten n\u00e4hert sich in NRW wie in vielen anderen Bundesl\u00e4ndern ebenso dem Ende wie auch die ausschlie\u00dflich digitale \u201eBeschulung\u201c von Kindern und Jugendlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Eltern, mit denen ich seit diesem Beschluss im Austausch war, \u00e4u\u00dferten sich dar\u00fcber erleichtert. Und auch ich sehne mir eine Entlastung herbei. Zu herausfordernd war es, weitreichendere als die bis dato gewohnte Bildungs- und Erziehungsverantwortung zu \u00fcbernehmen und zu sehr ver\u00e4nderte dies zuletzt den Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach trifft nicht zu, was viele sagen: Es sei halt lediglich eine Doppelbelastung von famili\u00e4ren und beruflichen Aufgaben, derer man sich als Elternteil nun schon seit Mitte Dezember (wieder) ausgesetzt sieht. Es ist vielmehr ein so tiefgreifender Einschnitt in den famili\u00e4ren, beruflichen und pers\u00f6nlichen Alltag, dass mir diese Beschreibung bei Weitem nicht ausreichend erscheint &#8211; auch und besonders bezogen auf die Abbildung der mannigfaltigen und in vielerlei Hinsicht (noch) nicht sichtbaren bzw. messbaren Folgen dieser Tatsachen. Deshalb empfinde ich eine Simplifizierung der realen und emotionalen (Sach-)Lage teilweise &nbsp;als h\u00f6hnisch.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich sind neben anderen auch viele Eltern Held_innen der jetzigen Zeit:<\/p>\n\n\n\n<p>Indem sie alles daf\u00fcr geben, ihre Kinder in deren aktuell besonderen Bed\u00fcrftigkeit aufzufangen, ihnen nicht \u201enur\u201c Mutter oder Vater, sondern auch bzw. mehr und bewusster als bislang Freund_in, Spielkamerad_in, Gespr\u00e4chspartner_in, Erzieher_in, Sozialarbeiter_in, Lehrer_in, Seelsorger_in zu sein. Indem sie alles daransetzen, als Arbeitnehmer_innen weiterhin mit demselben Engagement und Eifer produktiv und fokussiert ihre Auftr\u00e4ge zu erledigen, berufliche Termine in Zeiten der Kinderbetreuung zu integrieren und, wie nicht selten gefordert, trotz allem flexibel erreichbar und einsatzf\u00e4hig zu sein. Indem sie im Haushalt den hinzugekommenen Anforderungen nachkommen, wie z.B. der Bereitstellung von mehr t\u00e4glichen Mahlzeiten als sonst f\u00fcr mehr Familienmitglieder als sonst und s\u00e4mtlicher damit anfallender Aufgaben wie h\u00e4ufigerem Einkaufen und Putzen, die sich (mindestens unter der Woche) aus dem Wegfall der \u201e\u00dcber-Mittag-Betreuung\u201c der Kinder in vielen F\u00e4llen ergibt. Indem sie noch mehr als zuvor auf Zeit f\u00fcr ihre pers\u00f6nliche Regeneration und\/oder partnerschaftliche Unternehmungen verzichten (m\u00fcssen). Indem sie jeden Tag auf\u2019s Neue darum bem\u00fcht sind, f\u00fcr alle Beteiligten \u201edas Beste\u201c aus der Situation zu machen, L\u00f6sungen f\u00fcr die jeweils aktuellen Probleme und Herausforderungen zu finden, aushalten, wenn bei ihren Liebsten die Nerven mal \u201eblank\u201c liegen und dabei nicht selten ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse, Sorgen, Entkr\u00e4ftung und \u00c4ngste hintenanstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aufz\u00e4hlung l\u00e4sst vielleicht im Ansatz die von Vielfachbelastung, innerer Zerrissenheit und Ersch\u00f6pfung gepr\u00e4gten Umst\u00e4nde erahnen, mit denen sich viele Eltern seit Monaten konfrontiert sehen \u2013 und dabei lie\u00dfe sie sich sicherlich noch weiter fortf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinderbonus, ein Plus an Kinderkrankentagen und \u00e4hnliche von politisch Verantwortlichen beschlossene und diskutierte Ma\u00dfnahmen zur W\u00fcrdigung der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Leistung von Eltern in dieser Ausnahmezeit nehme ich als Mutter dankend an. All das kann jedoch nicht ermessen, was es t\u00e4glich an Einsatz, Kraft, M\u00fche, Organisation, Energie und Nerven kostet, den \u201eFamilienalltag\u201c aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Verstecken sich hier nicht folgende Grundsatzfragen: Wieso stellt die (nicht nur, aber auch finanzielle) Honorierung dessen, was Eltern, i.d.R. noch immer insbesondere M\u00fctter, tagt\u00e4glich leisten, eigentlich so eine Herausforderung dar? Und: Wie l\u00e4sst sich das \u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits sind wir als Gesellschaft, die sich selbst als \u201eWirtschaftsnation\u201c bezeichnet, auf die Reproduktion von Arbeitskr\u00e4ften angewiesen. Andererseits wird ebendiese nicht als \u201eklassische\u201c, im Sinne einer einer Erwerbst\u00e4tigkeit gleichgestellten und in diesem Sinne auch gleichwertig verg\u00fcteten und (sozial) anerkannten Arbeit angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann man sich als Elternteil zwischendurch mal in einem ruhigen Moment selbst und\/oder gegenseitig daf\u00fcr auf die Schultern klopfen, wie gut man eine Herausforderung gemeistert hat &#8211; und sei es \u201enur\u201c der \u201enormale\u201c Alltag. Bei all ihrer Einfachheit k\u00f6nnen solche Gesten im Sinne der (Selbst-)Zuwendung immerhin etwas Kraft, Mut und Zuversicht spenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben braucht es jedoch \u2013 ebenso wie bei vielen anderen brisanten Themen aus dem gro\u00dfen Spektrum der Care-Diskurse \u2013 unbedingt ein \u00dcberdenken und Aufbrechen noch immer in unserer Gesellschaft tief verankerter und viel zu lange schon tradierter Werte und Normen. Es bedarf der Diskussion und Installation einer ver\u00e4nderten Wertsch\u00e4tzung der von unz\u00e4hlig vielen Eltern Tag f\u00fcr Tag erbrachten Leistungen sowie der Losl\u00f6sung von normierten Familienbildern \u2013 und zwar mit in der Praxis sp\u00fcrbaren Konsequenzen i.S.v. merklichen Verbesserungen f\u00fcr diejenigen Menschen, die es betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter all dem steht doch die Frage: Welche Relevanz schreiben wir der elterlichen Erziehungs- und Bildungsarbeit zu? Was ist sie uns \u2013 als Grundstein der Sozialisation und damit grundlegenden Pr\u00e4gung der uns nachfolgenden Generationen \u2013 letztlich wert?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur, aber auch als Mutter und nicht nur, aber auch als Erziehungswissenschaftlerin meine ich: Wir sollten dazu bereit sein, in diesem Sinne (mehr) in die Zukunft unserer eigenen Gesellschaft zu investieren!<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht jede_r Held_in tr\u00e4gt ein Cape \u2013 manch eine_r tr\u00e4gt ein Kind auf dem Arm. Ist es nicht lohnenswert, (mehr als bisher) dazu beizutragen, diese \u201eelterliche Tragf\u00e4higkeit\u201c dauerhaft zu st\u00e4rken?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Bild\/Quelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/unsplash.com\/@drag88\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/unsplash.com\/@drag88\" target=\"_blank\">Aswin<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/QilBUyiV9J8\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/QilBUyiV9J8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.unsplash.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweite Phase des seit Ende vergangenen Jahres andauernden \u201eeingeschr\u00e4nkten Pandemiebetriebs\u201c der Kindertagesst\u00e4tten und Kinderg\u00e4rten n\u00e4hert sich in NRW wie in vielen anderen Bundesl\u00e4ndern ebenso dem Ende wie auch die ausschlie\u00dflich digitale \u201eBeschulung\u201c von Kindern und Jugendlichen. Alle Eltern, mit denen ich seit diesem Beschluss im Austausch war, \u00e4u\u00dferten sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":1121,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1117"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1124,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117\/revisions\/1124"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.care-lichtblicke.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}